Nichts ist so natürlich wie atmen. Jede Behinderung des Atmens löst bei Mensch und Tier eine totale Panik aus. Natürlich kommt auch die Kunst an diesem Thema nicht vorbei. Da wurde das Element als Wolken, Nebel oder Dampf dargestellt. Heute möchte man das Atmen erlebbar machen und zehn bayrische Künstler zeigen ihre Ideen im Münchner DG-Kunstraum.
Die elegante Umgebung des DG- Kunstraums, gelegen im Siemens -Areal am noblen Wittelsbacher- Platz hat ein Volumen von beinahe einer Tonne Luft.

Eigentlich wird man gleich von der großen zweiteiligen Arbeit von Benjamin Zuber gezogen, doch der erste Blick sollte der großen Glasscheibe gelten. Besser kann man seinem Atem nicht kennenlernen, denn bei der Installation von Afra Dopfer kann jeder Besucher einen Luftballon aufblasen und dieser wird an die Scheibe geheftet. Geboren 1982 in Starnberg, hat Afra Dopfer Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste studiert und liebt Beziehungen zwischen Körper, Raum und Bewegung. Gerne verwendet sie einfache Materialen, die sie aus ihrem Kontext löst.

Die bedruckten Handtücher tragen die Titel von Ratgebern zur Selbstoptimierung. Benjamin Zuber, 1982 in Bamberg geboren, studierte in Nürnberg und Wien. Für ihn stehen gesellschaftlich relevante Fragen aus seiner subjektiven Perspektive im Mittelpunkt. Ausgelöst durch einen Arbeitsunfall beschäftigte er sich mit dem fragilen Körper und dem schöpferischen Potential physischer Verletzung. Hier sind die Besucher aufgefordert, eine Handpumpe zu betätigen, dann strömt Luft in die Bahre. Von einem versehrten Körper in ein versehrtes System.

An der Wand hängt das Video von Susanne Wagner, ein grellroter Mund, der mit Ahh ausatmet. Das 1970 entworfene Logo wird von Susanne Wagner auch als Schrei die Frauenrechte interpretiert. Die Künstlerin ist 1977 in München geboren, studiert an der Akademie der Bildenden Künste in München und Wien. Sie hat schon zahlreiche Preise erhalten, darunter 2026 die Auszeichung der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst.

Unter einen großen Papier liegend, entfaltet Susanne Wagner durch die Streckung ihres Körpers ein gemaltes Bild, das einen grellroten Mund darstellt und mit dem Ausatmen entweicht ein Ahh. Dann knautscht sich alles wieder zusammen.

Daiki Kimoto, 2000 in Osaka geboren, ist für ihr Studium nach Deutschland gekommen. Dann zwingt die Pandemie zum Hausarrest und sie entwickelt ihren persönlichen Coronatest: so lange sie die Luft anhalten kann, zeichnet sie eine Linie auf kleine Blätter. Je gesünder die Lunge ist, desto freier und verspielter werden ihre Linien.

In Thüringen aufgewachsen, lebt Carsten Fock heute in Bamberg und im dänischen Küstenort Vejby. Sein Thema ist die deutsche Landschaftsmalerei mit seinen Himmelsformen, die sich oftmals als Sehnsuchtsraum für Hoffnung und Weite darstellt. Dabei nimmt er sich die künstlerische Freiheit zahlreiche Farben zu verwenden und der Betrachtet sieht immer nur Himmel.

Die Ausstellung “ Eine Tonne Luft“ ist noch bis zum kommenden Donnerstag, den 13. August zu sehen. Dann beginnt die Sommerpause bis Mitte September. Auch der Katalog wird erst im Herbst erscheinen. www.dg-kunstraum.de