Steina im Haus der Kunst – Fokus auf den Strahl

Konsequent verfolgt das Münchner Haus der Kunst progressive Wege.  Mit der Ägide von Direktor Andrea Lissoni rücken Künstlerinnen in den Vordergrund,  die das Erscheinungsbild von Bild, Sound und Performance auf diverse Weise prägen und in der Kunst neue Wege einschlagen.  Da fügt sich die aktuelle Ausstellung „Steina. Playback“ perfekt in die Nachfolge von Joan Jonas, Fujiko Nakaya, Katalin Ladik, Rebecca Horn oder Meredith Monk.

Borealis, 1993. 2-Kanal-Video. Vier-Kanal-Audio. Läuft 10 Minuten

Viele dieser Künstlerinnen  gehören zu den Sammlungen großer Museen, aber ihre Arbeiten sind im Sinne von Kunst eher unbekannt geblieben. Das gilt auch für Steina, die schon in den 1970er Jahren  das Video als ihr künstlerisches Medium erkennt und die Geschichte des bewegten Bildes prägt.

1940 in Revkjavik geboren, studiert sie Violine und Musiktheorie in ihrer Heimatstadt und macht 1959 den Abschluss am Konservatorium von Prag. Dort lernt Steina den Slowaken Woody Vasulka kennen und nach der Heirat 1964 emigriert das Paar nach New York, dem Mekka unkonventioneller Ideen von Kunst. Seit 1980 leben die beiden in Santa Fe, New Mexico. Woody Vasulka ist 2019 verstorben.

Telc, 1974. Ein-Kanal-Video.

Die intensive Zusammenarbeit der beiden über viele Jahre lässt die elektronische Bildbearbeitung als eigenständige Kunstform entstehen. Von Beginn an steht das elektronische Signal im Vordergrund aller Überlegungen. Doch während Woody in dem Signal eine autonome Kraft mit innerer Logik und Intensität sieht, ist Steina mehr an der Bewegung, räumlicher Begegnung und der Beziehung zwischen Körper, Bild und Umgebung interessiert.

Violin Power, 1970-78. ein-Kanal-Video, schwarz-weiß. Dauer 9:53 min.  Auf diesem Video ist Steina beim Geigenspiel zu sehen.

Mit der Konkurrenz, der Reibung  aber auch durch den Dialog entwickeln sich hoch interessante Arbeiten. Sicherlich war das New York der späten 1960er Jahre das perfekte Umfeld für Avantgarde. Als Labor wird 1971 „the Kitchen“ in Chelsea gegründet, ein Ort, wo man Experimente und  Performances vor Insidern vorführen konnte. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

The West, 1983. eine Arbeit von Woody Vasulka. Zwei-Kanal- Videoinstallation, Sound und Farbe. Dauer 30 Minuten.

Für Steina ist „the Kitchen“ entscheidend für ihr künstlerisches Schaffen, ohne den Austausch gemeinsam genutzter Systeme darunter die Environements, maschinengesteuerte optische Instrumente  und immersive Landschaften.

Trevor 1999-2000. Steina mit dem Komponisten Trevor Wishart. Ein-Kanal-Video, Farbe und Sound. Dauer 11:06 min.
In diesem Video setzt der Komponist und Soundkünstler Trevor Wishart seine Stimme als Quelle elektronischer Energie ein. Die Aktivität der Stimme erzeugt Verzerrungen, die das Videobild quasi entstellen.

Die Gedanken und Arbeiten von Steina sind unglaublich aktuell, denn ihr Thema sind bewegte Bilder, die lebendig, instabil und sich in ständiger Veränderung befinden. Angesichts boomender KI muss sich die Menschheit an diese Tatsache gewöhnen und akzeptieren.

Matrix. Die Vasulkas erweitern das elektronische Signal in eine räumliche Anordnung mehrerer Monitore. Über mehrere CRT-Monitore läuft ein einzelner, fortlaufender Kanal abstrakter Bildsequenzen und erzeugt dabei die Illusion eines durch den Raum wandernden Bildes.

Als „Vasulka Effekt“ bezeichnet, verlagert er  die Aufmerksamkeit vom Bild auf einzelnen Bildschirmen hin zur Bewegung des Signals über mehrere Oberflächen hinweg.

Pyroglyphs, 1996. Pyroglyphs ist, in Steinas eigenen Worten, eine Klangarbeit: ein Video-Environment, in dem sich das Bild aus dem Klang heraus entwickelt.

Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Schmied Tom Joyce und zeigt Steinas intensiver Beobachtung von Schmiedeprozessen. 1994 verbrachte Steina viele Stunden mit Joyce und filmte den Bau eines eisernen Tores. Dabei richtete sie den Blick weniger auf das fertige Objekt als auf die Materialien im Prozess ihrer Bearbeitung. Das Metall unter Brennern, Feilen und Ambossen sowie auf das flackernde Licht der Flammen.

Die Ausstellung „Steina.Playback“ ist bis zum 7.Dezember im Münchner Haus der Kunst zu sehen. Sehr empfehlenswert ist das Hardcover „Steina“.  www.hausderkunst.de   

 

 

 

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