Konsequent verfolgt das Münchner Haus der Kunst progressive Wege. Mit der Ägide von Direktor Andrea Lissoni rücken Künstlerinnen in den Vordergrund, die das Erscheinungsbild von Bild, Sound und Performance auf diverse Weise prägen und in der Kunst neue Wege einschlagen. Da fügt sich die aktuelle Ausstellung „Steina. Playback“ perfekt in die Nachfolge von Joan Jonas, Fujiko Nakaya, Katalin Ladik, Rebecca Horn oder Meredith Monk.

Viele dieser Künstlerinnen gehören zu den Sammlungen großer Museen, aber ihre Arbeiten sind im Sinne von Kunst eher unbekannt geblieben. Das gilt auch für Steina, die schon in den 1970er Jahren das Video als ihr künstlerisches Medium erkennt und die Geschichte des bewegten Bildes prägt.
1940 in Revkjavik geboren, studiert sie Violine und Musiktheorie in ihrer Heimatstadt und macht 1959 den Abschluss am Konservatorium von Prag. Dort lernt Steina den Slowaken Woody Vasulka kennen und nach der Heirat 1964 emigriert das Paar nach New York, dem Mekka unkonventioneller Ideen von Kunst. Seit 1980 leben die beiden in Santa Fe, New Mexico. Woody Vasulka ist 2019 verstorben.

Die intensive Zusammenarbeit der beiden über viele Jahre lässt die elektronische Bildbearbeitung als eigenständige Kunstform entstehen. Von Beginn an steht das elektronische Signal im Vordergrund aller Überlegungen. Doch während Woody in dem Signal eine autonome Kraft mit innerer Logik und Intensität sieht, ist Steina mehr an der Bewegung, räumlicher Begegnung und der Beziehung zwischen Körper, Bild und Umgebung interessiert.

Mit der Konkurrenz, der Reibung aber auch durch den Dialog entwickeln sich hoch interessante Arbeiten. Sicherlich war das New York der späten 1960er Jahre das perfekte Umfeld für Avantgarde. Als Labor wird 1971 „the Kitchen“ in Chelsea gegründet, ein Ort, wo man Experimente und Performances vor Insidern vorführen konnte. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Für Steina ist „the Kitchen“ entscheidend für ihr künstlerisches Schaffen, ohne den Austausch gemeinsam genutzter Systeme darunter die Environements, maschinengesteuerte optische Instrumente und immersive Landschaften.


Die Gedanken und Arbeiten von Steina sind unglaublich aktuell, denn ihr Thema sind bewegte Bilder, die lebendig, instabil und sich in ständiger Veränderung befinden. Angesichts boomender KI muss sich die Menschheit an diese Tatsache gewöhnen und akzeptieren.

Als „Vasulka Effekt“ bezeichnet, verlagert er die Aufmerksamkeit vom Bild auf einzelnen Bildschirmen hin zur Bewegung des Signals über mehrere Oberflächen hinweg.


Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Schmied Tom Joyce und zeigt Steinas intensiver Beobachtung von Schmiedeprozessen. 1994 verbrachte Steina viele Stunden mit Joyce und filmte den Bau eines eisernen Tores. Dabei richtete sie den Blick weniger auf das fertige Objekt als auf die Materialien im Prozess ihrer Bearbeitung. Das Metall unter Brennern, Feilen und Ambossen sowie auf das flackernde Licht der Flammen.
Die Ausstellung „Steina.Playback“ ist bis zum 7.Dezember im Münchner Haus der Kunst zu sehen. Sehr empfehlenswert ist das Hardcover „Steina“. www.hausderkunst.de
