Gabriele Stötzer – Widerstand in der DDR

Lange hat Gabriele Stötzer auf ihren Platz in der Kunstgeschichte gewartet, 1953 bei Gotha geboren, bekommt sie 2026 die gegehrte Auszeichung des Goslarer Kaiserrings. Seit Mitte Juni läuft eine Retrospektive im Berliner Gropiusbau und ab Mitte Oktober sind ihre Arbeiten im Goslar Mönchehaus zu sehen.

Mumie, 1984 Die Kunst des Alten Ägyptens ist sicherlich das Vorbild. Für diese Serie wickelte sie eine Person mit Mullbinden ein, um symbolisch einen verwundeten Körper zu schützen.

Dabei sein und nicht schweigen, besser kann man das künstlerische Leben von Gabriele Stötzer nicht umschreiben. Rund 150 Arbeiten gegen einen einen Einblick in das beharrliche Schaffen und immer bleibt eine Herausforderung, unter dem Radar der Staatssicherheit zu bleiben. Schon ihr  Kunststudium in Erfurt endet mit einen Rauswurf, aus Solidarität zu entlassenen Kollegen.

Lippen mit Draht, 1983 Mehr Hinweis für mangelnde Redefreiheit kann es kaum geben.

Dann kommt ihre Intervention gegen  die Ausbürgerung des Liedermachers Wolfgang Biermann 1976. Sie wird  verhaftet, muss für ein  Jahr ins berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck und schuftet in der Textilproduktion für den Westen. Doch diese Zeit sieht sie heute als Teil einer Bewusstseinserweiterung: Dinge, die ich sonst nie erlebt hätte.

Zur gleichen Zeit,  zur Documenta 6,  werden Arbeiten von Mattheuer, Heisig, Sitte und Tübke als Aushängeschild der DDR ausgestellt.

Heilerde, 1982

Ihre Erfahrungen aus der Haft, die ständigen Repressalien der Staatssicherheit schärfen ihren Blick für die gesellschaftlichen Verhältnisse und lassen sie zornig und zynisch werden. Immer im Versteckten zu agieren, wird ihr Körper zum Mittelpunkt  zahlloser Arbeiten.

Die Auslöschung des Blicks- ich trage meine Wunden heute offen, 1983

1984 gründet sie die Künstlerinnengruppe Erfurt und es entstehen spannende Performances, auf Super -8-Filmen festgehalten. Es wird getanzt, es wird geschrien und oftmals verboten.

Requisiten aus den Performances.

Alles dreht sich um Frauen für Gabriele Stötzer und die aktuellen sind auf fluffiger Schafwolle. Raumhoch und auf Fischernetze montiert.   Zu gern würd man sie anfassen. Wie Kontakt zu einer Künstlerin, die ihre Heimat auch in liederlichen Zeiten nicht verlassen hat.

Blutendes Herz und blutender Uterus – eine heftige Arbeit der Erfurterin

 

Die Ausstellung „Dabei sein und nicht schweigen “ ist bis zum 6. Dezember 2025 im Berliner Gropiubau zu sehen. Zur Ausstellung ist ein kleines Buch aus dem Bierke Verlag, Berlin erschienen.   www.berlinerfestspiele.de 

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