In der Mittelhalle liegt ein riesiger Ballon, manchmal etwas schlaff am Boden. Kann aber ein gewaltiges Monument werden, wenn jemand in die Fahrradpedale tritt. Ein Ort des kollektiven Handelns ist das „Museo Areo Solar“, eine Solarskulptur aus gesammelten Plastiktüten. An jedem Tag kommen neue hinzu und müssen von Besuchern eingepasst werden. Mit dem Ende der Ausstellung könnte der Ballon in den Münchner Himmel aufsteigen und am Horizont verschwinden.


Mit dem Argentinier Tomás Saraceno hat der Direktor Andrea Lissoni einen perfekten Partner für seine erweiterte Museumsidee gefunden. Mit der aktuellen Ausstellung möchte der international gefragte Künstler mit Wohnsitz in Berlin die Menschen des Anthropozäns mit ihrem Konsum und Verschwendung in eine Ära des Areocene transferieren. In eine Welt, die auf fossile Brennstoffe verzichten kann, wo aerosolare Strukturen, getragen durch Sonnenlicht und Luft, Bewegung ermöglichen. Aufsteigend mit der Wärme und getragen vom Wind.

Dann betritt man eine Wunderwelt und fühlt sich wie verzaubert.

Erst müssen sich die Augen an die tiefe Schwärze gewöhnen und sich im Raum zurecht finden, denn allzu leicht könnte man ins Wasser treten. Dann wird der Blick wie magisch von silbrig transparenten Kugeln angezogen, die mit der Beleuchtung Halos erzeugen. Sie sind mit Luft gefüllt und sollen den Lebensraum der Zukunft aufzeigen. Im Hintergrund seilen sich Spinnen von ihren Fäden ab, die fremdartige Geräusche stammen von ihren Kauwerkzeuge, mit ihnen werden die filigranen Netze hergestellt.

2015 ins Leben gerufen, widmet sich Tomas Saraceno mit Areocene der Erforschung emissionsfreier Fortbewegung. Nur mit Sonnenenergie und Luft ist Leticia Noemi Marquès 2020 mit einer aerosolaren Skulptur über die Salzseen im Norden Argentiniens geflogen. Das ist nicht nur eine technische Leistung, sondern Areocene unterstützt auch im Kampf der Bewohner der Salinas Grandes , die sich gegen den Abbau des Lithiums im industriellen Massstab wehrt.


Verwobene Welten heißt die aktuelle Ausstellung im Haus der Kunst, denn Tomás Sarasceno propagiert einen Dialog zwischen den Lebewesen. „Die Zukunft ist nichts, was wir erst erfinden müssen – sie ist bereits da, eingewoben in die Landschaft wie ein Fluss, “ sagt Ailton Krenak, Philosoph und indigener Aktivist.

Tomás Saraceno begeistert sich für Spinnen und ist ein anerkannter Fachmann für die vielbeinigen Geschöpfe. Fasziniert von ihrer Lebensweise, die Welt über Vibrationen wahrzunehmen und nur die Schwingungen im eigenen Netz lässt ein mögliches Opfer erahnen.



Natürlich kommt bei „Verwobene Welten“ auch die Außenwelt zu Ihren Wort. Auf der Terrasse steht eine bunte Skulptur mit vieleckigen Kammern, dort sind Strukturen eingebaut, wo Insekten eine Heimat finden können.

Es geht nach draussen und alle Blicke richten sich auf eine bunte Skulptur mit kleinen achteckigen Kammern, Gewitterwolken nachempfunden. In diesen Kammern sind Strukturen eingebaut, wo sich Insekten verkriechen können.
Die Ausstellung „Tomás Saraceno in Collaboration“ ist bis zum 7. Februar 2027 im Münchner Haus der Kunst zu sehen. Zur Ausstellung gibt es einen Katalog. www.hausderkunst.de

