In der imposanten Mittelhalle des Münchner Hauses der Kunst liegt ein riesiger Ballon, oftmals etwas schlaff am Boden. Kann aber gewaltig anwachsen , wenn jemand in die Fahrradpedale tritt. Kollektives Handeln ist beim „Museo Areo Solar“ einer Solarskulptur aus gesammelten Plastiktüten gefragt. Jeden Tag kommen neue hinzu und werden von den Besuchern eingepasst. Bis Ende Oktober ist das Museo Aero Solar installiert.

Mit dem Argentinier Tomás Saraceno hat der Direktor Andrea Lissoni einen perfekten Partner für seine erweiterte Museumsidee gefunden. In der Ausstellung zeigt der international gefragte Künstler den Menschen des Anthropozäns einen Weg aus dem Konsum und der Verschwendung in eine Ära des Areocene. In eine Welt, die auf fossile Brennstoffe verzichtet und aerosolare Strukturen, getragen von Sonnenlicht und Luft, die Fortbewegung ermöglichen. Aufsteigend mit der Wärme und getragen vom Wind.

Dann betritt man eine Wunderwelt und fühlt sich wie verzaubert.

Erst müssen sich die Augen an die tiefe Schwärze gewöhnen, denn allzu leicht könnte man ins Wasser treten. Diese spiegelnden Flächen soll an die Landschaft der Salinas Grandes erinnern, wo der sich der Himmel in den Oberfläche der Seen zu erkennen ist. Dann wird der Blick von silbrig transparenten Kugeln angezogen, die mit der Beleuchtung Halos erzeugen. Sie sind mit Luft gefüllt und sollen den Lebensraum der Zukunft aufzeigen. Im Hintergrund seilen sich Spinnen von ihren Fäden ab, die fremdartige Geräusche stammen von ihren Kauwerkzeuge, mit ihnen werden die filigranen Netze hergestellt. Dieses Projekt hat Tomas Saraceno gemeinsam mit den Indigenen entwickelt.

2015 ins Leben gerufen, widmet sich Tomas Saraceno mit Areocene der Erforschung emissionsfreier Fortbewegung. Nur mit Sonnenenergie und Luft ist Leticia Noemi Marquès 2020 mit einer aerosolaren Skulptur über die Salzseen im Norden Argentiniens geflogen. Das ist nicht nur eine technische Leistung, sondern Areocene unterstützt auch im Kampf der Bewohner der Salinas Grandes , die sich gegen den Abbau des Lithiums im industriellen Massstab wehren.


Verwobene Welten heißt die aktuelle Ausstellung im Haus der Kunst, denn Tomás Sarasceno propagiert einen Dialog zwischen den Lebewesen. „Die Zukunft ist nichts, was wir erst erfinden müssen – sie ist bereits da, eingewoben in die Landschaft wie ein Fluss, “ sagt Ailton Krenak, Philosoph und indigener Aktivist.

Die große Leidenschaft von Tomás Saraceno sind Spinnen und er ist ein anerkannter Fachmann für die vielbeinigen Geschöpfe. Fasziniert von ihrer Lebensweise, die Welt über Vibrationen wahrzunehmen und nur die Schwingungen im eigenen Netz lässt ein mögliches Opfer erahnen. So verlassen sie ihre Netze, wenn die Klimakrise zu viele Schadstoffe darin ablagern.




Natürlich kommt bei „Verwobene Welten“ auch die Außenwelt zu Ihren Wort. Auf der Terrasse steht eine bunte Skulptur mit vieleckigen Kammern, dort sind Strukturen eingebaut, wo Insekten eine Heimat finden können.

Es geht nach draussen und alle Blicke richten sich auf eine bunte Skulptur mit kleinen achteckigen Kammern, dort sind Strukturen eingebaut, damit sich Insekten verkriechen können.

Die Ausstellung „Tomás Saraceno in Collaboration“ ist bis zum 7. Februar 2027 im Münchner Haus der Kunst zu sehen. Zur Ausstellung gibt es einen Katalog. www.hausderkunst.de
