Marina Abramovic im Gropius Bau – Balkan Erotic Epic

Mal wieder ist der imposante Lichthof im Martin-Gropius Bau ein wahrer Eyecatcher, eine gewaltige Leinwand zeigt die Videoarbeit – Tito`s Funeral – aus dem Jahr 2025. Die Beerdigung des jugoslawischen Staatschefs 1980 war eine der größten öffentlichen Trauerfeiern des letzten Jahrhunderts. Ein südosteuropäisches Ritual wo sich schwarz gekleidete Frauen im Rhythmus auf die Brust schlagen und in eine Art Trance gelangen.  In der Mitte ist Marina Abramovic zu sehen.

Tito’s Funeral, 2025

Nach der eindrucksvollen Ouvertüre folgen Exponate aus dem Archäologischen Museum der Republik Nordmazedonien,  die Sexualität in den Mittelpunkt althergebrachter Glaubensrituale stellen.  Es ist ein Anliegen der Künstlerin,  alte Bräuche in den zeitgenössischen Kontext zu zeigen.

zwei Mumien

Dann wird es wieder gewaltig, man steht inmitten übergroßer phallischer Pilze, es läuft ein Video im Hintergrund mit einer vermeintlichen Wissenschaftlerin, die sexuelle Praktiken in der Balkanregion vorstellt.

Magic Potions, 2025 

Im nächsten Raum sind zwei Videos aus dem letzten Jahr zu sehen . Männer, die mit dem Erdboden kopulieren, um den Ernte zu verbessern und daneben Frauen in Tracht, die mit der Entblößung ihrer Vulva versuchen, den Regen stoppen. Heute ausschließlich sexuellen Handlung, gab es in frühen Zeiten eine enge Verbindung von Fruchtbarkeit und den Zyklen der Natur.

Natürlich ist die Wissenschaftlerin ein Seitenhieb auf die „arrogante“ westliche Kultur, die gerne die Osteuropäer herunterschaut.

Nude with a Skeleton 2002/2026

Diese Arbeit war der Teaser der Eröffnung, wo sich die Leute vor dem Eingang stauten, und natürlich Party. Auf diesem Video ist noch Marina Abramovic zu sehen, heute lässt sie sich vertreten.

Lips of Thomas, 1975. Die siebenstündige Performance folgte einem strengen Hand-lung, der vom Rhythmus eines Metronoms getragen war. Mit dem Partisanenhut ihrer Mutter bekleidet, nahm die Künstlerin Honig und Wein zu sich, schnitt einen fünfzackigen Stern in die Haut ihres Bauchs und peitschte ihren Rücken. Begleitet von einem Volkslied über Leid und Krieg als Schicksal eines vermeintlich slawischen Volkes, legte sich Abramović auf ein Kreuz aus Eis.

Diese Ausstellung im Berliner Gropiusbau ist eine Melange aus frühen Arbeiten und aktuellen Videos der internationalen Künstlerin. Die Leidenschaft für Performance hat Marina Abramovic ihr ganzes Leben angetrieben und die heute 80 jährige lässt nichts von ihrer Ausstrahlung vermissen.  Sie hat die Selbstgeißelung zur Kunst erhoben, ritzt sich den Bauch blutig, verbrennt beinahe während einer frühen einmaligen Performance von Rhythm 5, 1974.

Abramović tränkte einen aus Holz gefertigten Stern in Benzin und setzte ihn in Flammen. Sie schnitt sich Haarsträhnen und Nägel ab und streute sie als rituelle Opfergaben ins Feuer. Dann legte sie sich in die Mitte des brennenden Sterns, bis sie aus Sauerstoffmangel das Bewusstsein verloren hatte.

Es ist ihre Überzeugung, dass der Schmerz die Kraft gibt,  die Grenzen des Körpers beinahe zu überwinden und nur der Wille siegen kann. Die anschließende totale Erschöpfung wird zu einer Sucht.

Die Ausstellung „Balkan Erotik Epic“ ist noch bis zum 23.August im Berliner Gropius Bau zu sehen. Anlässlich der 75 jährigen Bestehens der Berliner Festspiele wird eine vierstündige Bühnenversion am 13. Oktober die Performing Acts Season eröffnen.

Marina Abramovic  Balkan Erotic Epic. The Stage Version

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