Mal wieder ist der imposante Lichthof im Martin-Gropius Bau ein wahrer Eyecatcher, eine gewaltige Leinwand zeigt die Videoarbeit – Tito`s Funeral – aus dem Jahr 2025. Die Beerdigung des jugoslawischen Staatschefs 1980 war eine der größten öffentlichen Trauerfeiern des letzten Jahrhunderts. Ein südosteuropäisches Ritual, wo sich schwarz gekleidete Frauen im Rhythmus auf die Brust schlagen und in eine Art Trance gelangen. In der Mitte ist gelegentlich Marina Abramovic zu sehen.

Nach der eindrucksvollen Ouvertüre folgen Exponate aus dem Archäologischen Museum der Republik Nordmazedonien, die Sexualität in den Mittelpunkt althergebrachter Glaubensrituale stellen. Es ist ein Anliegen der Künstlerin, alte Bräuche in den zeitgenössischen Kontext zu zeigen.

Dann wird es wieder gewaltig, man steht inmitten übergroßer phallischer Pilze, es läuft ein Video im Hintergrund mit einer vermeintlichen Wissenschaftlerin, die sexuelle Praktiken in der Balkanregion vorstellt.

Im nächsten Raum sind zwei Videos aus dem letzten Jahr zu sehen . Männer, die mit dem Erdboden kopulieren, um den Ernte zu verbessern und daneben Frauen in Tracht, die mit der Entblößung ihrer Vulva versuchen, den Regen stoppen. Heute ausschließlich sexuellen Handlungen, gab es in frühen Zeiten eine enge Verbindung von menschlicher Fruchtbarkeit und den Naturkräften.
Gegenüber läuft ein Video einer Wissenschaftlerin mit Erklärungen zur Sexualität, ein Seitenhieb auf die „arrogante“ westliche Kultur, die gerne die Osteuropäer herunterschaut.

Diese Arbeit war der Teaser der Eröffnung, da stauten sich die Leute vor dem Eingang, und anschließend war natürlich Party. Auf diesem Video ist noch Marina Abramovic zu sehen, heute lässt sie sich vertreten. Während der Performance bringt sie durch ihren Atem das Skelett in Bewegung.

Diese Ausstellung im Berliner Gropiusbau ist eine Melange aus frühen Arbeiten und aktuellen Videos der internationalen Künstlerin. Die Leidenschaft für Performance hat Marina Abramovic ihr ganzes Leben angetrieben und die heute 80 jährige lässt nichts von ihrer Ausstrahlung vermissen. Sie hat die Selbstgeißelung zur Kunst erhoben, ritzt sich den Bauch blutig, verbrennt beinahe während einer frühen einmaligen Performance von Rhythm 5, 1974.

Es ist ihre Überzeugung, dass der Schmerz die Kraft gibt, die Grenzen des Körpers beinahe zu überwinden und nur der Wille siegen kann. Die anschließende totale Erschöpfung wird zu einer Sucht.

Die Ausstellung „Balkan Erotik Epic“ ist noch bis zum 30.August im Berliner Gropius Bau zu sehen. Neben der zahlreichen Literatur zu Marina Abramovic gibt es ein lesenswertes Büchlein aus dem Bierke Verlag Berlin.
Anlässlich der 75 jährigen Bestehens der Berliner Festspiele wird eine vierstündige Bühnenversion von Balkan Erotik Epic am 13. Oktober die Performing Acts Season eröffnen. Alle Karten sind bereit ausverkauft.
