Ein Herbsttag wie gemalt und ein frühes Schiff zur Insel Herrenchiemsee. Der zehnminütige Fussweg zum Schloss in großer Stille und die Ausstellung im Nordflügel des imposanten Schlosses, entstanden aus den Visionen von Bayernkönig Ludwig II, wartet auf die ersten Besucher.

Dabei geht es um ein ernstes Thema, das sich Ludwig II sicherlich nicht vorstellen konnte, aber an den Grundfesten der Demokratie wird gerüttelt. So ist dieser Ort mehr als gut gewählt, denn auf Herrenchiemsee mühten sich 1948 zahlreiche Delegierte um einen Entwurf für die Verfassung der jungen BRD.

Auch die Kuratoren der Münchner Pinakothek der Moderne haben sich mit „Kunst & Demokratie – könnt ihr noch“ einem ambitionierten Programm gewidmet. Der Titel stammt von der Hamburger Elektropunk -Band Deichkind und schon am Eingang zur Ausstellung läuft ihr Video in abgehackter Sprache.

Dann öffnet sich die Tür zur Ausstellung und der Besucher kommt an einer roten Rose in einem Messzylinder nicht vorbei. Es ist die berühmte „Rose für die direkte Demokratie“, geschaffen 1973 von Joseph Beuys und soll an die Documenta 72 erinnern. Damals richtete sich Beuys ein Büro im Fridericianum ein, um 100 Tage mit den Besuchern über direkte Demokratie zu diskutieren. Der Künstler war höchst ambivalente Persönlichkeit, eigentlich überzeugter Linker, hatte aber auch Sympathien für die NS-Zeit.

Die Pinakothek der Moderne hatte grandiose Werke nach Herrenchiemsee geschafft, die sich vor der unverputzten Wänden des Nordflügel ganz anders präsentieren als im Münchner White Cube. 50 Meisterwerke sind in diesem Sommer zu sehen.

Dabei auch Anselm Kiefer mit seinem Glaskasten „Morgenthau“ , der mit dem Morgenlicht nochmals „transparenter“ wirkt. Der hochpolitische Künstler erinnert mit dieser Installation an den gleichnamigen Plan der Alliierten, aus dem besiegten Deutschland einen Agrarstaat zu machen. Auf dem Boden der Vitrine kriecht eine Schlange als Zeichen für das Böse.

Textilien sind das Medium der Amerikanerin Sheila Hicks. Kaum ein Material kommt dem Körper näher als die Fäden von Wolle. am liebsten würde man anfassen.

Auch Jörg Immendorff gehört zu den herausragenden Namen als politischer Künstler. Sein großformatiges Café- Deutschland ist weltberühmt und zeigt die Situation des Landes zu Zeiten des kalten Krieges.


Inge Mahn war eine Schülerin von Joseph Beuys in Düsseldorf. Ihre Arbeit „Balancierende Türme“ zeigt die fragile Beziehung der beiden Deutschland.



Die Ausstellung Kunst und Demokratie – Könnt Ihr noch? ist noch bis zum 18.Oktober zu sehen. www.pinakothek-der-moderne.de
