Ihre Themen sind ernst, aber Charmaine Poh schafft mit ihren Videos eine gradezu meditative Atmosphäre. Noch gerade noch auf Berlins Boulevards im eisigem Wind entlang gestürmt, legt sich mit dem Eintritt in die Ausstellung eine wohltuende Entspannung wie ein Seidenschal auf die Sinne.

Eine Architektur mit Teppichboden, weichen Kissen, Fadenvorhängen und viel blaues Licht empfängt den Besucher, besser kann man sich nicht auf die Arbeiten der Künstlerin einstimmen. Besonders der zentrale Raum mit der 3-Kanal Videoinstallation, wo der Besucher auf einer Bank Platz nimmt, aber sich drehen muss, um den beiden anderen Videos zu folgen.

In ihrem Video “ The Moon is wet“ werden drei Geschichten erzählt. Da ist die Meeresgöttin Mazu, die im gesamten südchinesischen Region verehrt wird. da sind Frauen aus China, die ab den 1930er-Jahren als Hausangestellte in Singapur gearbeitet haben und seit den 1970er-Jahren kommen die helfenden Hände aus Südostasien.
Diese Frauen entscheiden sich gegen die Ehe und leben oft in Gemeinschaften. Schon immer ist die Regierung in Singapur bestrebt, nationale Identitäten zu unterdrücken und nur Englisch und Mandarin als Sprache zu akzeptieren. Doch in dem Video von Charmaine Poh hört man kantonesisch, der Dialekt der ehemaligen Putzhilfen aus China und indonesisch, die Sprache der heutigen Angestellten, dazu Hokkien, die Sprache der Meeresgöttin. Charmaine Poh gibt Ihnen eine Stimme und zeigt, dass in ihrer Kultur auch in der Diaspora eine sehr enge Verbindung zu ihren Familien besteht. Natürlich ist es auch ein Widerstand gegen die Medienpolitik von Singapur.

Eigens für diese Ausstellung im Palais Populäre wurde die Videoarbeit „the Moon is wet“ konzipiert. Faszinierend schön und sehr eindringlich zeigen sich die Probleme der Finanzmetropole Singapur, die ohne weltweiten Handel nicht überleben kann und ihre Ressourcen ans Limit bringt. Der steigende Wasserbedarf und die wachsenden Stadt bedrohen die Mangrovenwälder in der Peripherie, die für die Ökologie dieser Region unerlässlich sind.

Charmaine Poh, 1990 in Singapur geboren, ist 2025 zum „Artist of the Year“ der Deutschen Bank ausgewählt worden. Sie hat in Berlin studiert, lebt in Singapur und Berlin.

Das Video zeigt allerdings nicht die reale Person, sondern als Deepfake-Avatar namens E-Ching, geschaffen mit KI und archiviertem Filmmaterial. Dieser Mix aus Realität und Virtualität, Authentizität und Performance ist eine klare Kritik an der Medienlandschaft und sollte un vor der Zukunft warnen.
„Make a Travel of your inside deep and don’t forget me to take“ ist der Titel in holprigem Englisch ihrer ersten Einzelausstellung und ein Art Auffangbecken ihrer zahlreichen Themen wie Identität, Machtstrukturen, Ökologie, Resilienz.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23, Februar im Berliner Palais Populaire zu sehen. www.palaispopulaire.db.com Zur Ausstellung gibt es einen sehr schönen Katalog, erschienen im Kerber Verlag.

Auch im München, in der Behncke Gallery war Charmaine Poh mit sechs Videostills zu sehen. www.behncke-gallery.com

