Mal wieder ein Publikumsmagnet für das Museum Barberini in Potsdam. Der Berliner Vorzeigekünstler Max Liebermann mit Haus am Brandenburger Tor und Villa am Wannsee, in einer Zeit als die Stadt zur Metropole mutierte, Berlin geht nicht. Der Maler, der in jungen Jahren die Ideen des französischen Impressionismus für sich entdeckt und später als Präsident der Berliner Sucession die Wege für Kollegen und Galeristen ebnet.

Eigentlich sind es drei Maler, die der Moderne in Deutschland den nötigen Schwung geben: Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Liebermann, der stets im Rampenlicht steht. Ist er doch schon Ende des 19.Jahrhunderts eine renommierte Adresse.

Sein wohlhabendes und intellektuelles Elternhaus erlaubt ihm, 1873 ein Atelier auf dem Montmartre zu mieten, im Herzen des französischen Impressionismus. Doch als Deutscher wird er, nach dem verlorenen Krieg 1871/72, keinesfalls geschätzt. Er macht Ausflüge in die Szene von Barbizon und verbringt 1874 etliche Monate in holländischen Zandvoort und in dieser Ecke Europas findet Max Liebermann seine Heimat als Maler. Es entstehen lichtdurchflutende Alltagsszenen der „kleinen Leute“ wie 1880 das „Altmännerhaus“ und die berühmte “ Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus“.

Inspiriert von lichten Farben der Impressionisten, bekommen seine Motive viel Charmantes, ohne die Realität romantisch zu verklären. Auch gelingt es Liebermann das Licht im geschlossenen Raum einzufangen im Gegensatz zu seinen französischen Kollegen, die nur in der freien Natur malen. Die französische Kunstpresse ist begeistert. Doch seine traditionellen Wurzeln kann er nur schwer ablegen, er kehrt zu einem „heiteren“ Naturalismus und nach Berlin zurück, wohl bewusst der Widerstände, die auf ihn warten.


In den besseren Kunstkreisen Deutschlands und besonders im Umfeld des Kaisers liebt man die dunkeltonige akademische Malweise, der Alltag der schuftenden Bevölkerung als Gemälde findet kaum Interesse.
1892 kommt es zur Gründung der Berliner Secession als Gegenpol zur konservativen Akademie, doch das reaktionäre Klima des Kaiserreichs spricht von Rinnsteinkunst. Auch die erste Ausstellung von Edvard Munch 1905 in Deutschland fand keine Gnade in Berlin und musste geschlossen werden.
Doch ein Lichtblick naht mit der Berufung von Hugo von Tschudi als Direktor des Nationalgalerie, der den Impressionismus liebte und mit Liebermann als Berater umgehend nach Paris reiste. Zu gerne hätte man Manets “ Der Wintergarten“ erworben, doch man fürchtete sich vor der Kritik.
Mit dem Maler Liebermann jedoch geht es voran, zu seinem 50. Geburtstag bekommt er einen eigenen Saal in der Nationalgalerie. Dazu die Ernennung zum Präsidenten der Berliner Secession, als seine Sekretäre lassen sich die weltoffenen Galeristen Bruno und Paul Cassirer gewinnen.


Um 1900 ziehen mit Lovis Corinth und Max Slevogt neue Mitglieder der Secession nach Berlin, der erbitterte Widerstand der Akademie gegen die Moderne bricht langsam zusammen. Allerdings hat das Pflänzchen Deutscher Impressionismus schwache Wurzeln und gehört schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs zur Vergangenheit. Es beginnt die Ära des Expressionismus.

Um 1910 wird die Villa am Wannsee das neue Refugium von Max Liebermann und der Garten zu einem Quell zahlloser Gemälde. Die Reisen in die Niederlande sind passé und aus dem Querelen der Berliner Kunstszene hält er raus. Doch auf seinen zugkräftigen Namen kann man nicht verzichten, 1920 wird er Präsident der Berliner Akademie der Künste, die Berliner Secession ist heillos zerstritten und ohnehin am Ende.


Die Wirren der Weimarer Republik, dazu der zuzunehmende Antisemitismus drehen der Deutschen Moderne die Luft ab. 1933 legt Liebermann alle Ämter nieder, er kann noch wichtige Werke in die Schweiz schaffen und stirbt 1935 in seinem Berliner Haus. Die deutsche Moderne endet in der Ausstellung „entartete Kunst“ 1937.

Die Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ ist bis zum 7.Juni im Museum Barberini Potsdam zu sehen. Es gibt einen Audioguide und einen umfangreichen Katalog, erschienen im Prestel Verlag. www.museum-barberini.de

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