Die Hamburger Kunsthalle hat ein spannendes Thema ins Visier genommen und es ist ein Sieg für eine Künstlerin. Seit etlichen Jahren werden die Frauen in der Kunst wiederentdeckt, obwohl sie immer mit erstaunlichen Werken präsent waren. Die Arbeiten von Maria Lassnig faszinieren und die weltbekannten Gemälde von Edvard Munch erfreuen.

Beide haben ihre Emotionen auf die Leinwand gebannt, dabei geht Maria Lassnig einen Schritt weiter. Sie zeigt die Gefühle an ihrem eigenen Körper während Munch seine Empfindungen an Menschenszenen abarbeitet. Das Gemälde des „Der Kuss“, ist weltberühmt geworden, weil sich jeder in diese Angst hinein versetzen kann.

Die mühsame Eroberung der Kunstszene mussten sich beide auf ihre Fahnen schreiben. Da war man 1892 gezwungen, die erste Ausstellung des Norwegers Edvard Munch in Berlin zu schließen. Die Besucher waren entsetzt, solch expressive Malerei hatte man noch nie auf Leinwand gesehen. Heute gilt der „Munch – Skandal“ als die Geburtsstunde der Moderne in Deutschland.

Die Österreicherin Maria Lassnig wird gut 50 Jahre später geboren, verbringt ihre Jugend in Klagenfurt und muss sich zunächst in ein kurzes Dasein als Lehrerin fügen. Dann ein akademischer Malstudium in Wien, das sie als fügsame Schülerin unter den NS-Regime überlebt, kehrt sie 1945 nach Klagenfurt zurück und erlebt plötzlich ihre Heimat mit Surrealismus, Informal, Expressionismus, dann Pop und Popart. 1947 lernt sie Arnulf Rainer kennen und 1951 gehen sie beiden nach Paris. Mit einem Stipendium kann sie dort arbeiten, dann weiter New York und schließlich Berlin kann sich ihr Talent mit allen Facetten entfalten. Doch erst als alte Frau kommen großer Jubel und zahllose Ehrungen.

Es entstehen die „Körpergefühlsmalereien“, die nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren haben. Diese schonungslosen Pinselstriche in pastelliger Farbgestaltung besitzen eine magische Anziehungskraft und zeigen eine krasse Realität. Diese Direktheit dürfte Maria Lassnig an Edvard Munch begeistert haben.

Dieses Sujet erinnert unwillkürlich an Edward Hopper. Personen, die immer in die Ferne schauen, dabei traumverloren wirken. Durch die Nacktheit ist bei Lassnig die Wahrnehmung noch viel eindrücklicher.

Als Pionier der Moderne trumpft der Norweger, immer mit dicker Farbe und starken Motiven. Farbe als Träger von Emotionen, die nicht in Worte zu fassen sind. So müssen Maria Lassnig und Edvard Munch malen, um sie überleben.

Für beide spielt der Tiger eine dominante Rolle. Für Maria Lassnig ist “ jeder Mann ein Tiger“, ein animalischer Akt aber auch die Wahrnehmung vor Andersartigkeit.

Bei Edvard Munch ist der Tiger eher ein Symbol für die Eifersucht und starke Rivalität.

Die Ausstellung „Maria Lassnig und Edvard Munch – Malfluss ist gleich Lebensfluss“ ist bis zum 30. August in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Für Informationen gibt einen Audioguide, einen Katalog aus dem Distanz Verlag, neben zahlreichen Führungen und Vorträge. www.hamburger-kunsthalle.de
