Sie könnten sich begegnet sein, die heute schon legendäre Marina Abramovic´ mit ihren weltweiten Ausstellungen und Edita Schubert, eine späte Entdeckung. Beide studierten an der Akademie der schönen Künste in Zagreb, nur ein Jahr getrennt. Kreativ und sehr ehrgeizig bekommt Edita 1982 eine Einladung, Kroatien auf der Biennale in Venedig und Sydney zu vertreten. Dann verschwindet sie aus der internationalen Kunstszene, erfährt wie viele andere Künstlerinnen erst in den letzten 10 Jahren die längst fällige Anerkennung.

Nun zeigt das Muzeum Susch im Unterengadin, unweit von Scuols, die erste Retrospektive von Edita Schubert außerhalb des ehemaligen Jugoslawiens und es ist wie bei allen Ausstellungen in Susch, ein Erlebnis. Also die Reise für „Profusion“ lohnt sich.
1947 im Osten Kroatiens geboren, beginnt Edita 1971 mit der Realisierung ihrer künstlerischen Ideen. Dabei hat sie als Tochter einer Italienerin und eines Deutschen quasi das Kulturgut des Habsburger Reiches in ihren Adern.

Das übergroße Gemälde ist die Treppe zu ihrem Arbeitsplatz, genauso wie „doorway“ , die Türen, gemalt auf Leinwand in weichen Pastelltönen und an Schnüren aufgehängt, Während ihres gesamten Lebens, sie starb 2001 an einem Krebsleiden, sicherte ihre Arbeit als Zeichnerin den finanziellen Rückhalt. Auch gibt es in Jugoslawien keinen Kunstmarkt und die zahlreichen Ausstellungen bringen kein Geld.


Im Muzeum Susch kann man Künstlerinnen aus Mittel- und Osteuropa kennen lernen und ist immer verblüfft, mit welcher kreativen Kraft großartige Werke geschaffen werden und die zeitgenössische Szene auf spannende Weise bereichern.

Das Haus von Albrecht Dürer als multiple zeigt die kreative und unbekümmerte Art, aus vielen Dingen ein Kunstwerk zu machen. Es lebe Marcel Duchamp. So werden Fotografien, Zeichnungen und Gemälde fotokopiert, dann die Originale entsorgt und fortan die Photokopien als Kunstwerk apostrophiert.

Die Teilnahme an der Biennale in Venedig 1982, gibt Edita einen Einblick in die internationale Kunstszene und es entstehen Gemälde mit öligen Pastellkreiden in Trapezform


Privat ist Edita Schubert ein scheuer Menschen, verweigert Interviews, gibt ihren Sujets nur knappe Titel. Ein wenig Einblick geben ihre Selbstporträts, eine Meditation über das Leben, seine Veränderung und die Sterblichkeit. Wie ein Fries umrahmen Barcodes diese Installation, eigentlich ein Synonym von Klassifizierung.
Die Ausstellung ist bis zum 24. Mai 2026 zu sehen, ein Katalog in englischer Sprache ist im Hatje Cantz Verlag erschienen.

Das Museum Susch war eine Klosteranlage aus 12. Jahrhundert, dann auch eine Brauerei. Mit der Eröffnung 2019 als Privatmuseum, nach aufwendigen Restaurierung unter der Regie des polnischen Unternehmerin Grazyna Kulczyk, ist zu einem Mekka von Künstlerinnen aus dem osteuropäischen Raum geworden.

