Gleich zwei Premieren – zum ersten Mal wird die französische Designerin Charlotte Perriand in einer Retrospektive in Österreich gezeigt und das Salzburger Museum der Moderne ist der Gastgeber für die erste Design – Ausstellung.

Mit Charlotte Perriand wird wieder eine Künstlerin gezeigt, die sich selbstbewußt gegenüber der männlichen Dominanz durchsetzt und sie hat sich wahrlich mit dem Schweizer Le Corbusier ein Monument von Eitelkeit und Egozentrik ausgesucht.

Doch die 24 jährige Pariserin will unbedingt bei dem Star der internationalen Architektenszene studieren. Schon vor der Bewerbung gelingt ihr mit der Präsentation der „Bar sous le toit“ beim renommierten Salon D’Automne viel Aufmerksamkeit. Und tatsächlich kann ihr Talent auch Le Corbusier überzeugen, so dass sie 1924 als Teil des Trios, mit seinem Vetter Pierre Jeanneret, das Büro in Paris leitet.

Faszinierend ihr unbeirrbarer Weg auf der Suche nach minimal, funktional und wohnlich. Für sie ist ein gesellschaftlicher Auftrag, die Lebensräume für Menschen zu verbessern. Mit der grassierenden Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg sind einfache praktische Unterkünfte ein Gebot der Stunde und eigentlich hat sich an diesem Thema bis heute wenig geändert.
1937 verlässt Perriand das Atelier von Le Corbusier, doch schon lange zuvor arbeitet sie als selbstständige Designerin und Architektin. Dabei prägen ihre Gedanken neue ungewöhnliche Materialen in einer minimalistischen Formensprache. Sicherlich hat ihre große Liebe zu den Bergen die „Refuge Bivouac“ und „Refuge Tonneau“ entstehen lassen, das erstere ist auf der Weltausstellung von Paris zu sehen.


Der nächste große Sprung war Japan. Schon während ihrer Zeit bei Le Corbusier trifft sie auf Junzo Sakakura, einen Architekten aus Japan, der mit dem kommenden Kriegswirren Frankreich verlassen muss. 1940 bekommt Perriand eine Einladung vom japanischen Ministerium für Handel und Industrie und trotz der Gefahr ist Japan eine Offenbarung für die Französin. Die einfachen Häuser mit ihren verschiebbaren Trennelementen, die Verbindung von Tradition und Moderne, ist für sie ein Mekka des Design. Sie entdeckt den Bambus, einer Allerweltsbaustoff in Japan und doch leider wegen der fehlenden Luftfeuchtigkeit in Europa sehr begrenzt verwendbar.

Im Jahre 1953 reist sie ein weiteres Mal nach Japan, diesmal mit ihrer Familie und wohnt in einem traditionellen Haus, von ihr einrichtet. Abgestimmt auf die bodennahe Kultur des Gastgebers.
Doch als Resummeé ihrer Reisen muss Perriand zugeben, dass ihre eigentliche Aufgabe, die Japaner in Fragen der westlichen Kultur aufzuklären, sich letztendlich in der großartigen Architektur der Gastgeber aufgelöst hat. Stattdessen sollte sich Europa mit den Ideen Japans anfreunden.

In den 1950er Jahren verfolgt Perriand weiterhin ihre Idee einer seriellen Vielfalt. Industriell angefertigte Elemente sollen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein, die eigene Kreativität fördern und ein ganz individuelles Zuhause gestalten. Viele ihrer Entwürfe sind heute Klassiker und zieren Millionen von Häusern.

Die Ausstellung “ Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie Architektur“ ist zum 13. September im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg in Salzburg zu sehen. www.museumdermoderne.at
Dazu ist ein sehr informativer Katalog „Charlotte Perriand – die Kunst des Wohnens“ im Hatje Cantz Verlag erschienen.