Jeder kennt ihre Chaiselongue. Ende der 1920er Jahren entworfen, ist diese Liege noch immer der Inbegriff von Avantgarde und lässiger Eleganz. mit ihrer ergonomischen Form auf das Essentielle reduziert. Heute wird sie von italienischen Unternehmen Cassina vertrieben.
Das Salzburger Museum der Moderne zeigt mit Charlotte Perriand eine Künstlerin, die sich selbstbewußt gegenüber der männlichen Dominanz durchsetzt und sie hat sich wahrlich mit dem Schweizer Le Corbusier ein Monument von Eitelkeit und Egozentrik ausgesucht. Auch in ihrem späteren Leben besitzt sie die Größe, beruflichen Niederlagen einfach abzuschlucken.

Doch die 24 jährige Pariserin will unbedingt bei dem Star der internationalen Architektenszene studieren, keine leichte Aufgabe. Das Glück will es, dass schon vor der Bewerbung die Präsentation ihrer „Bar sous le toit“ beim renommierten Salon D’Automne von Le Corbusier gesehen wird und ab 1927 ist sie „Assistentin“ in seinem Pariser Atelier, zusammen mit Pierre Jeanneret, seinem Vetter.

Faszinierend ihr unbeirrbarer Weg auf der Suche nach minimal, funktional und wohnlich. Für sie ist es ein gesellschaftlicher Auftrag, Lebensräume für Menschen zu verbessern. So sind mit der grassierenden Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg bezahlbare Unterkünfte ein Gebot der Stunde und eigentlich hat sich an diesem Thema bis heute wenig geändert.
Viele der heutigen Ikonen der Möbelszene entstehen in den kommenden Jahren in diesem Atelier, wobei Le Corbusier mit seinem Namen immer an erster Stelle steht und der heutige Produzent, die Firma Cassina, gerne mal die restlichen Mitglieder des Trios vergisst.

1937 verlässt Perriand das Atelier von Le Corbusier, schon zuvor arbeitet sie als selbstständige Designerin und Architektin. Sie tauscht die Großstadt Paris gegen ein winziges Bergdorf unterhalb des Mont Blanc ein, die Liebe zu den Bergen wird ihr in die Wiege gelegt, denn ihr Vater stammt aus Savoyen, Mit ihrem Interesse an neuen ungewöhnliche Materialen, einer minimalistischen Formensprache entstehen die beiden Schutzhütten „Refuge Bivouac“ und „Refuge Tonneau“ die erstere ist auf der Weltausstellung von Paris zu sehen.


Es wartet Japan. Schon während ihrer Zeit bei Le Corbusier trifft sie auf Junzo Sakakura, einen Architekten aus Japan, der mit dem kommenden Kriegswirren Frankreich verlassen muss. 1940 bekommt Perriand eine Einladung vom japanischen Ministerium für Handel und Industrie und trotz der Gefahr ist Japan eine Offenbarung für die Französin. Diese einfachen Häuser mit ihren verschiebbaren Trennelementen, die Verbindung von Tradition und Moderne, ist für sie ein Mekka des Design. Sie begeistert sich für den Bambus, einer Allerweltsbaustoff in Japan, und doch leider wegen der fehlenden Luftfeuchtigkeit in Europa sehr begrenzt verwendbar.

Im Jahre 1953 reist sie ein weiteres Mal nach Japan, diesmal mit ihrer Familie und wohnt in einem traditionellen Haus, von ihr einrichtet. Abgestimmt auf die bodennahe Kultur des Gastgebers.

Doch als Resummeé ihrer Reisen muss Perriand zugeben, dass ihre eigentliche Aufgabe, die Japaner in Fragen der westlichen Kultur aufzuklären, sich letztendlich in der großartigen Architektur der Gastgeber aufgelöst hat. Stattdessen sollte sich Europa mit den Ideen Japans anfreunden.

In den 1950er Jahren verfolgt Perriand weiterhin ihre Idee einer seriellen Vielfalt. Industriell angefertigte Elemente sollen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein, die eigene Kreativität fördern und ein ganz individuelles Zuhause gestalten. Viele ihrer Entwürfe sind heute Klassiker und zieren Millionen von Häusern, immer noch ein Ausrufezeichen von Avantgarde.

Die Ausstellung “ Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie Architektur“ ist zum 13. September im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg in Salzburg zu sehen. www.museumdermoderne.at Dazu ist ein informativer Katalog „Charlotte Perriand – die Kunst des Wohnens“ im Hatje Cantz Verlag erschienen.

Gleich zwei Premieren auf dem Mönchsberg – zum ersten Mal gibt es eine Retrospektive der französischen Designerin Charlotte Perriand in Österreich und das Salzburger Museum der Moderne ist der Gastgeber für eine erste Design – Ausstellung.