Vor 50 Jahren war seine letzte Ausstellung in Deutschland, in Frankreich ist Constantin Brâncusi ein Nationalheld und in seiner Heimat Rumänien sowieso. Nun freut sich die Neue Nationalgalerie auf eine Koryphäe der Modernen Kunst.

Offensichtlich liebt er das Image eines rumänischen Bauern, der inmitten seiner groben Werkzeuge und Materialen wohnt. Dabei ist er keinesfalls ein selbstverlorener Eremit, sondern versteht sich perfekt als Selbstvermarkter mit einem gut etablierten Netzwerk aus Geldgebern, Künstlerfreunden, Sammler und Galeristen. Doch die ständige Infragestellung seiner Werke, die Abwertung als Kunsthandwerk, lässt ihn viele Male eine weitere Ausstellung ablehnen, verkriecht sich lieber in sein Atelier. Die Nummer 8 ist Werkstatt, Wohnort und Heimat, von 1916 bis zu seinem Tod 1957. Man findet ihn in einem Kreativquartier in der Impasse Ronsin, das damals viel ländlichen Charme mitten in Paris verströmt.

Geboren 1875 im Südwesten Rumäniens, der Kleinen Walachei, flieht er als junger Mann vor der Gewalt des Elternhauses. Es gelingt es ihm, in Craiova und Bukarest Kunst zu studieren, dann macht er sich auf in den Westen. Über Stationen wie München und Wien landet er 1906 im Pariser Bohèmeviertel Montparnasse. Schon in Bukarest hat er von Auguste Rodin und seinen kühnen Skulpturen gehört und es gelingt ihm, bei diesem Bildhauer unterzukommen. Ein kurzes Glück, denn Brâncusi sieht seine Welt jenseits des Realismus.

Die Suche nach der Essenz.
Schon 1907 verblüfft Brâncusi mit dem Kuss, so ganz anders als das Werk von Auguste Rodin. Das Publikum ist vielfach überfordert und in Deutschland stößt er auf harsche Ablehnung. Dabei In Kennerkreisen keineswegs unbekannt, so war er 1913 mit 6 rumänischen Kollegen bei der „Internationalen Kunstausstellung“ im Münchner Glaspalast vertreten, dann 1927 in der Hamburger „Europäische Kunst der Gegenwart. Von der Kritik als Kunstgewerbe abgetan ebenso wie die Arbeiten von Rudolf Belling und Henri Laurens. Auch die Berliner Galerie von Alfred Flechtheim zeigt 1929 zwei Werke von Brâncusi, der „Torso“ aus Onyx und eine „Schlafende Muse“ aus Gips. Allein die deutsche Avantgarde-Presse hat sein Genie längst erkannt und bejubelt seine Suche nach dem Elementaren.

Großer Erfolg bei Armory Show
1931 wird Brâncusi zur Armory Show eingeladen und New York ist begeistert. Das Erstaunliche, dass er trotz des Erfolges und notabene vieler Freunde, völlig unbeirrt seinen Weg geht. Niemand kann ihn überreden, sich einer der damals zahlreichen Kunstrichtungen anzuschließen, wie ein Monolith nähert er sich in kleinen Schritten seiner Idee von Kunst.

Es gibt nur wenige Motive
Constantin Brâncusi hat zeitlebens nur wenige Motive geschaffen, doch daran hat es sich abgearbeitet, immer weiter auf dem Weg der Reduktion. Dazu gehört auch der Vogel, es gibt wohl 30 Versionen, in Marmor, Bronze und Gips. Mit der Zeit werden die Vögel immer schlanker, geradezu fragil und in polierten Erscheinung beinahe außerirdisch.

Auch eine Eigenart von Brâncusi, wenn das Original verkauft ist, gibt es nur mehr Repliken.

Für den Künstler gehört der Sockel zum Kunstwerk und so zeigt die Ausstellung in Berlin auch zahllose Varianten .
Seit 1915 fotografiert Constantin Brâncusi seine Werke, sein Freund Man Ray hat ihn in dieses Metier eingeführt. So sind in seinem Nachlass, den er dem französischen Staat vermacht hat, unzählige Fotografien, Filme, Briefe und sogar Rechnungen. Das Quartier am Impasse Ronsin wird den 1970er Jahren ein Opfer der Erweiterung des Hôpital Necker und heute kann man die Werkstatt auf dem Vorplatz des Centre Pompidou besuchen, entworfen von Renzo Piano.

Das Atelier mit seinen vielen Werkzeugen durfte zum großen Teil nach Berlin umziehen. Sämtliches Arbeitsgerät und das Mobiliar hat Brâncusi selbst angefertigt.

Für die Neue Nationalgalerie in Berlin ist es ein Glücksfall, dass das Centre Pompidou über 5 Jahre renoviert wird und daher rund 150 Exponate wie Skulpturen, Zeichnungen, Filme und Fotografien nun in Berlin zu sehen sind. Die Ausstellung ist bis zum 9.August in der Neuen Nationalgalerie Berlin zu sehen. www.smb.museum

Sehr sehenswert ist das Video über Brancusi in der Arte -Mediathek, man erfährt viel über seine rumänische Heimat und seine Kunst im öffentlichen Raum wie das weltbekannte Ensemble târgu jiu mit dem Tisch des Schweigens, dem Tor des Kusses und der Säule der Unendlichkeit. Als Auftrag der Frau des damaligen Ministerpräsidenten 1935 errichtet, soll es an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges erinnern. Ein Versuch in 1950er Jahren, das Ensemble zu zerstören, scheiterte an der mangelnden Kraft des Bulldozers. Heute ein faszinierendes Monument der Avantgarde und ein Publikumsmagnet.
