Der Talent Award des C/O Berlin ist zu Gast in der Münchner Alexander Tutsek – Stiftung, es werden 20 Jahre prämierte Fotografie gezeigt. Seit 2020 unterstützt die Münchner Stiftung die renommierte Institution des C/O Berlin, beheimatet im Amerika Haus in Berlin -Charlottenburg . Diese Talentsuche war eine Idee der Gründer des C/O Berlin, jungen Fotografen und Autoren eine Bühne zur Öffentlichkeit zu geben.

14 Arbeiten werden vorgestellt, dabei beginnt es im Erdgeschoß ganz klassisch mit Foto als Dokument, während im ersten Stock das Thema erweiterte Bildwelten in den Vordergrund tritt.
Frederike Brandenburg ist die Preisträgerin 2010 mit „Zurückgelassen“. Ihre Fotos stammen von den Lofoten und beschäftigen mit Dingen, die vergessen wurden und nun hat die Natur ihren Raum zurückerobert.

Sibylle Fendt studierte Fotografie in Bielefeld, ist 2003 bis 2005 Gaststudentin bei Wolfgang Tillmanns an der Kunstakademie Frankfurt und seit 2011 Mitglied der Agentur Ostkreuz. 2006 gewinnt sie den Talent Award des C/O Berlin mit „Uneins“. Ihr Thema sind Leben in Isolation, gepaart mit gesellschaftlichen Unverständnis.

Aus Bulgarien stammt Pepa Hristova und sie ist die Preisträgerin 2008 mit “ Strangers in their own Country“. Ihre Fotos zeigen Momentaufnahmen einer muslimischen Minderheit Bulgariens, die in die Türkei eingewandert sind. Eine höchst dramatische Szenerie durch gekonnte Lichtsetzung zeichnet diese Arbeit aus.


Die Treppe hinauf erweitert sich die Fotografie mit Videos, wird Teil komplexer visueller Systeme. Mit dabei das verführerische Instrument von KI.
2021 heißt die Preisträgerin Adji Dieye, die in Dakar,Mailand und Zürich arbeitet. Sie studiert an der Brera in Mailand und kann auf zahlreiche Ausstellungen verweisen wie 2012 C/O Berlin, Fotomuseum Winterthur 2023 oder die Kunsthalle Wien 2020.

Der Titel ihrer Arbeit „Culture lost and learned e by Heart“, dabei werden Fotos aus eigener Ressource und dem senegalesischen Nationalarchiv in gepunktete Bitmap-Raster übersetzt und auf Seide gedruckt. Die historischen Aufnahmen sind aus dem eigentlichen Kontext herausgelöst und mit eigenen Fotografien neu zusammengesetzt. Damit wird eine lineare Geschichtsschreibung vollkommen in Frage gestellt.

1982 in den Niederlanden geboren, lebt Willem Popelier heute in Utrecht und beschäftigt sich mit der Populärkultur und ihre Auswirkung auf die Gesellschaft. Für den Talent Award 2012 wird seine Arbeit ausgezeichnet, die Präsident Obama während seiner achtjährigen Amtszeit bei seiner wöchentlichen Fernsehansprache zeigt. In der Münchner Ausstellung sind in Aktenordner sämtliche Ansprachen abgeheftet und können eingesehen werden. Willem Popelier arbeitet als Dozent an der Willem de Kooning Academy in Rotterdam.

Im Jahr 2008 geht die Auszeichnung an Ivonne Thein für „Zweidreissig Kilo“ die das Thema Magersucht darstellt. Sie lebt in Berlin und ihre Fotografien werden weltweit ausgestellt wie das Centre Pompidou, Fotomusem Winterthur, Lentos Linz und natürlich das C/O Berlin.
Bevor man die Ausstellung verlässt, sollte man einen Blick in die Arbeit der Autoren werfen, denn der Talent Award wird für das Tandem vergeben. In einem Regal stehen zehn Ausgaben prämierter Texte in oftmals sehr originell aufgemachten Bänden und können studiert werden.
Die Ausstellung „Photograph in Flux“ ist bis zum 25.Februar in der Alexander Tutsek-Stiftung zu sehen. Ab Oktober gibt es einen monatlichen Podcast auf der Website der Stiftung. www.atstiftung.de
