Die aparte Leonor Fini ist sicherlich ein Männertraum, aber ihre exaltierte Art, gepaart mit großem Selbstbewusstsein, verlangt schon einen gewandten Verführer. Max Ernst gehört dazu, ohnehin hat der galante Deutsche wenig Mühe, all die chicen Künstlerinnen jener Zeit einzusammeln. Es ist die Zeit des Surrealismus, der völlig neue Ideen erlaubt und oftmals das biedere Publikum überfordert.

In Argentinien 1907 geboren, flieht die Mutter mit ihrer Tochter nach Triest, wo Leonor Fini ihre Jugend verbringt. 1925 geht sie mach Mailand. kann als Autodidaktin etliche Bilder verkaufen und lernt Giorgio de Chirico und die führende Modeschöpferin Elsa Schiaparelli kennen. Oftmals hat sie ein glückliches Händchen mit ihrem Bekanntenkreis, denn 1931 mit ihrem Umzug nach Paris landet sie in der Hochburg des Surrealismus mit Salvador Dali, Man Ray, Max Ernst. Sie lässt sich von ihrer Malerei und Gedankenfreiheit inspirieren, ist bei wichtigen Ausstellungen der Gruppe dabei, lehnt aber ihre Manifeste ab. Es ist die unkonventionelle Lebensart des Surrealismus, der ihre eigenen Ideen reifen lässt.

Dazu gehört, dass Verkleiden als ein Akt der Kreativität und so gibt es zahllose Selbstporträts in Phantasiekostümen und Masken. Immer alles sehr hochwertig gemacht, denn auch in ihrem Alltag schätzt sie großen Schmuck und elegantes Outfit. Neben den spektakulären Aufritten bei Kostümbällen und privaten Parties ist die Talent auch bei Ballett und Theater gefragt, machte die Entwürfe für die Filme von John Huston und Frederico Fellini. die Inszenierung. Dabei legt sie großen Wert auf die Authentizität, setzt beim Material und Genauigkeit historischer Inszenierung hohe Masstäbe.

Beeinflusst von C.G.Jung liebt die Künstlerin das Unterbewusstsein und stellt sich auf vielen Gemälden als Hexe,Sphinx, Sirene oder Zauberin dar, immer als ästhetischer Hingucker. Eigentlich ist die souveräne Frau ihr Leitbild, doch mit ihrer oftmals starken Betonung weiblicher Reize möchte sie auf die Bewunderung der Männer nicht verzichten.

Ein spannender Ausflug sind ihre mineralischen Bilder, die mit Hilfe der Decalcomanie entstehen. Eine Technik, die Max Ernst als Surrealist der ersten Stunde gerne verwendet, denn diese Art Monotypie produziert zufällige Bilder. Dabei wird Farbe zwischen zwei Flächen gepresst, dann wieder abgezogen und es verbietet sich, das Ergebnis zu korrigieren.

Ganz zu ihrer Vorliebe für das Geheimnisvolle gehört auch ihr Interesse an toten Körpern. Schon schafft in Triest besucht das Leichenschauhaus und während des Zweiten Weltkriegs sammelt sie Tierschädel auf der Insel Giglio, die später als Modell in ihren Stilleben auftauchen. Jede Art von Grenzüberschreitung ist ein Markenzeichen von Leonor Fini, als wolle sie die Belastbarkeit des Betrachters testen.

Erfolgreiche Künstlerinnen zu Beginn des 20.Jahrhunders sind eine Seltenheit, aber mit Leonor Fini können sich auch Leonora Carrington und Meret Oppenheim in Szene setzen. Alle drei haben ein Verhältnis mit Max Ernst, dessen Einfluss ist bei der Engländerin Carrington am deutlichsten zu erkennen ist.

In Bezug auf glanzvolle Auftritte hat Leonor Fini eine Vorläuferin mit der Polin Tamara de Lempicka, sie kommt 1918 nach Paris, ist das Gesicht des Art-Deco, liebt die Gesellschaft der Haute Volée und ist mit ihrer Schönheit und Eleganz ein Lieblingssujet renommierter Fotografen. In 10 Jahren, von 1925-35, schafft die Porträts unabhängiger Frauen, die heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Auch Leonor Fini schafft eine Renaissance, hat allerdings 30 Jahre gedauert, bis sich die Museen für ihr Werk interessieren. Da sind die Sammler viel schneller gewesen und haben die Preise für ihre Bilder in die Höhe getrieben.
Die Ausstellung „Leonor Fini -Magisch Surreal“ ist bis zu 21.-Februar in Kunsthalle Frankfurt zu sehen. Es gibt ein Digitorial und einen Katalog aus dem Hirmer Verlag, München. www.schirn.de

Weiterführende Informationen gibt es auch im chic gemachten Schirn Paper, das 4x im Jahr erscheint.
