Die Hamburger Kunsthalle hat ein ehrgeiziges Thema ins Visier genommen und es ist ein Sieg für eine Künstlerin. Seit etlichen Jahren werden die Frauen in der Kunst wiederentdeckt, obwohl sie immer mit erstaunlichen Werken präsent waren. Die Arbeiten von Maria Lassnig faszinieren und die weltbekannten Gemälde von Edvard Munch erfreuen.

Beide haben ihre Emotionen auf die Leinwand gebannt, dabei geht Maria Lassnig einen Schritt weiter. Sie zeigt die Gefühle an ihrem eigenen Körper während Munch solche Sujets meist an Menschenszenen abarbeitet. Das Gemälde des „Der Kuss“, weltberühmt, weil sich jeder in diese Angst hinein versetzen kann.

Die mühsame Eroberung der Kunstszene mussten sich beide auf ihre Fahnen schreiben. Da war man 1892 gezwungen, die erste Ausstellung des Norwegers Edvard Munch in Berlin zu schließen. Die Besucher waren entsetzt, solch expressive Malerei hatte man noch nie auf Leinwand gesehen. Heute gilt der „Munch – Skandal“ als die Geburtsstunde der Moderne in Deutschland.

Die Österreicherin Maria Lassnig wird gut 50 Jahre später geboren, muss sich über ein desinteressiertes Elternhaus in ein Dasein als Lehrerin fügen. Auch das akademische Malstudium in Wien überlebt sie als fügsame Schülerin unter den NS-Regime und erst ein Stipendium für Paris, dann weiter New York und schließlich Berlin öffnet ihr alle Sparten künstlerischen Schaffens, kann sich ihr Talent endlich entfalten. Doch erst als alte Frau kommen großer Jubel und zahllose Ehrungen.

Es entstehen die „Körpergefühlsmalereien“, die nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren haben. Diese schonungslosen Pinselstriche in pastelliger Farbgestaltung besitzen eine magische Anziehungskraft und zeigen eine krasse Realität. Diese Direktheit dürfte Maria Lassnig an Edvard Munch begeistert haben.

Als Pionier der Moderne trumpft der Norweger, immer mit dicker Farbe und starken Motiven. Farbe als Träger von Emotionen, die nicht in Worte zu fassen sind. So müssen Maria Lassnig und Edvard Munch malen, um sie überleben.


Für beide spielt der Tiger eine dominante Rolle. Für Maria Lassnig ist “ jeder Mann ein Tiger“, ein animalischer Akt aber auch die Wahrnehmung vor Andersartigkeit.

Bei Edvard Munch ist der Tiger eher ein Symbol für die Eifersucht und starke Rivalität.

Die Ausstellung „Maria Lassnig und Edvard Munch – Malfluss ist gleich Lebensfluss“ ist bis zum 30. August in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Für Informationen gibt einen Audioguide, einen Katalog aus dem Distanz Verlag, neben zahlreichen Führungen und Vorträge. www.hamburger-kunsthalle.de
