Sie haben das Leben des Raoul Hausmann bestimmt – Dada, aus Zürich nach Berlin und Frankreich geschwappt, dazu zahllose Verhältnisse neben den Ehefrauen. Beides dürfte wohl die Zündschnur für sein künstlerisches Schaffen gewesen sein. In Wien geboren, mit seinen Eltern nach Berlin gekommen, war es Leben voller Brüche, stimuliert durch die Aufbruchstimmung nach dem Ersten Weltkrieg, eine wackelige Weimarer Republik und dann abgewürgt mit dem NS-Regime.

Die Zeit von 1913 bis 1933 war die Epoche des Raoul Hausmann, er lernt 1915 Hannah Höch kennen, eine 7jährige tragische Liebesbeziehung und 1918 kommt Dada nach Berlin und krempelt seine Vorstellung von Kunst total um, für ihn eine Befreiung von allem Konventionellem.

Die Berlinische Galerie ist die Hüterin der weltweit größten Sammlung von Raoul Hausmann, wobei vieles von seinem Frühwerk verloren gegangen ist. Auch die Stationen seines Exils in Frankreich und zahlreiche Museen sind Leihgeber für diese sehenswerte Ausstellung. Es lohnt sich, mit Muße die Briefe und Notizen zu studieren, denn Hausmann war ein genialer Netzwerker, kannte jeden im damaligen Schmelztiegel der Kunst, bevor die Nazis grandiose Köpfe zur Flucht zwangen.

Begünstigt durch sein solides handwerkliches Können, erinnern erste Werke an Picasso oder Chagall, aber die radikale Denkweise von Dada wird zu seinem großen Spielfeld, das er nie verlassen wird. Selbst in den 1960er Jahren hofft er auf eine Wiedergeburt, wie in der Ausstellung zu sehen.


Angetrieben durch sein extremes Selbstbewusstsein hat Hausmann jede Entwicklung auf dem Gebiet der Kunst aufgesogen und mit großer Energie weiterentwickelt. Raoul sieht sich weniger als Maler, „Der Maler malt, wie der Ochse brüllt“, da bietet Dada mit Text und Collage ein viel spannenderes Umfeld, sieht er ab 1927 in der Fotografie mit ihren technischen Spielereien eine Erweiterung des Sehens.

Wegen Ehefrau Hedwig Mankiewicz und Freundin Vera Broido muss Hausmann Deutschland 1933 verlassen und findet ab 1944 eine neue Bleibe im ländlichen Limoges. Mittlerweile über 70 Jahre alt, sieht mit Fluxus und Neo-Dada eine zaghafte Wiedergeburt von Dada, lässt von jungen Kollegen inspirieren. Doch seine fortschreitende Erblindung bringt sein künstlerisches Schaffen zu einem Ende.


Die Ausstellung „Raoul Hausmann – Vision, Provokation, Dada“ ist noch bis 16 März in der Berlinische Galerie, Belin zu sehen. Zur Ausstellung gibt es einen sehr schönen und detaillierten Katalog, erschienen im Verlag Hatje Cantz. www.berlinischegalerie.de