Fluxuriös – Antikunst in Dresden

Welch einen Kontrast hat Dresden zu bieten! Die historische Fassade der ehemaligen Neustädter Wache an der Augustusbrücke überrascht mit ihrem Innenleben eines White Cube. Aktuell ausgestellt sind Objekte aus der Zeit des Fluxus, die wohl  einflussreichste Kunstströmung  des 20.Jahrhunderts  Das Gebäude, auch Blockhaus genannt ist seit 2024 die Heimat des „Archiv der Avantgarden“ mit einer Sammlung von 1,5 Millionen Exponaten.

Der Eingang zum Archiv der Avantgarden. Im Garten lässt der Blick auf das Herz von Dresden genießen.

Zu verdanken hat Dresden diese Ausnahmestellung einer Schenkung von Egidio Marzona, dessen Leidenschaft der Arte Povera, dem Fluxus, der MinimalArt und Konzeptkunst gehört.

Blick in die Ausstellung ganz in Magenta gehalten

Geboren wurde Egidio Marzona in Bielefeld als Sohn einer Familie, die um 1900 aus dem Friaul einwanderte und in Deutschland ihr Glück gemacht hat. Dabei  sammelte der ehemalige Galerist nicht nur die begehrten Multiples,  sondern widmete sich auch dem Umfeld von Briefen, Fotografien, Entwürfe, Zeitschriften und Kataloge.

Ben Vautier – la jungle de l’art, 1988. Ein Koffer voller  Spielen

 

Fluxus ist mit Abstand die unkonventionellste Kunstrichtung des 20.Jahrhunderts, dabei nicht so schräg wie DADA aus den 1920er Jahren, sondern oftmals witzig und intellektuell herausfordernd. Damit hat sich Dresden mit ihrem “ Archiv der Avantgarden“ auf ein schwieriges Terrain gewagt, denn auf  diese kleinteiligen Objekte muss man sich einlassen. Zu sehen sind rund 90 Arbeiten, Werke von Fluxus-Mitgründer George Maciunas, Ben Vautier mit seinen typischen Schriftbildern dann Wolf Vostell die treibende Kraft von Fluxus in den 1960er Jahren., die verspielte Yoko Ono mit ihrer kleinen Box of Smile. Und natürlich Josef Beuys, der sich mit seinen Happenings auf Fluxus-Festivals in Szene setzte.  Für alle steht nicht das Kunstwerk, sondern die schöpferische Idee im Mittelpunkt. Diese Gedanken werden später in der Konzeptkunst verfolgt.

Wolf Vostell – Union Sovietica, 1962

Die Fluxusarbeiten entstehen meist aus einfachsten Materialen und wie schon bei Dada verwendet man gerne Papier. Auch bereits bedrucktes, das dann dann zerschnitten und zu einem neuen Objekt erklärt wird. Großes  Vorbild ist Marcel Duchamp, der den Alltag auf einen Sockel setzte und zur Kunst deklarierte.

Auf den ersten Blick lassen sich wenig Gemeinsamkeiten unter den Künstlern erkennen, aber manche schaffen es zu beachtlicher Bekanntheit. Geholfen hat sicherlich die Idee von Sammelobjekten, die preiswert hergestellt und sich als Editionen verkaufen ließen. Es entstehen die Multiples, gerade ein Markenzeichen für Fluxus und ein Weg, nicht in der Kunstgeschichte zu verschwinden.

Wolf Vostell – 310 Ideen T.O.T. (Technological Oak Tree), Edition Howeg Zürich, 1972

Eine Attraktion ist eine Holzbox mit 5 Recordern und 25 Endloskassetten. Man hört Aufnahmen von Mozart -Kompositionen, mit unterschiedlichen Länge. Der Besucher wählt die Bänder selbst aus und wird zu einem aktiven Teil des „Happenings“.

John Cage – Mozart -Mix

In der Dresdner Ausstellung werden digitale Fassungen der Kassetten verwendet, die CD-Player an der Wand dürfen die Besucher selbst bedienen und die CD’s im Sinne von John Cage abspielen. Das bedeutet, durch die unterschiedlichen Längen der Musikstücke entstehen immer Klangkonstellationen.

Die Ausstellung „Fluxuriös! Kunst und Anti-Kunst der 1960er bis 1990er Jahre“  ist im Dresdner Blockhaus noch bis 8.März zu sehen. www.skd.museum 

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