Es lebe die Farbe und der Zufall – in Memory Helen Frankenthaler

Das elegante Reinhard Ernst Museum ist die Heimat von Helen Frankenthaler, denn das Haus besitzt die größte Sammlung der amerikanischen Malerin. „Ich brauche außerdem flüssige Farbe, damit meine Malerei buchstäblich mit der Leinwand verschmilzt. Farbe, Zeichnung Größe und Licht“ könnte die Überschrift zum Schaffen der New Yorkerin sein.

Das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden

Helen Frankenthaler  – Aufregend unkonventionell

1950 marschiert Helen Frankenthaler mit einer riesigen Leinwand durch den New Yorker Verkehr von Lower Manhattan zu einem Galeristen. Ein Jahr später wird  die  9th Street Art Exhibition zur Geburtsstunde der abstrakten Malerei mit Jackson Pollock, Lee Krasner and Franz Kline.  Helen Frankenthaler gelingt der Durchbruch mit  „Mountains and Sea“ 1952, in der Soack -Stain-Technik vorgestellt und daraus entwickelt sich das Colour Field Painting. Natürlich denkt man an Jackson Pollock und seien berühmten Drip Paintings. Doch er verwendet Emailfarbe, die auf dem Bild stehen bleibt, während Frankenthaler ihre, mit Terpentin verdünnte Farbe in die Leinwand eindringen lässt.

Die erste Ausstellung des Hauses – Farbe über alles

Die erste Ausstellung des Museums, 2024 eröffnet,  zeigt unter dem Titel „Farbe ist alles“ das Werk von Helen Frankenthaler.  Nun dürfen in der aktuellen Präsentation drei zeitgenössische Künstler, beeinflusst von ihrer Gedankenwelt,  ihre eigenen Arbeiten neben den Gemälden der Amerikanerin präsentieren.

Jenny Brosinski, Ina Gerken und Adrian Schiess

Ohne Frage fördern die Bilder von Ina Gerken, Jenny Brosinski und Adrian Schiess einen frischen Blick auf die etablierte Kunst der Helen Frankenthaler, aber es ist ein Geben und Nehmen. Alle drei fühlen sich durch die Malweise der New Yorkerin befreit und bestärkt, Neues zu wagen und quasi der Farbe ihren Lauf zu lassen.

Ina Gerken – the Cave 2022

Als Betrachter spürt man die Freude der Ina Gerken an den unkonventionelles Ideen ihrer Vorgängerin, die sehr auf die fließende Farbe setzt und mögliche Manipulation durch Tempo und Positionswechsel gering halten möchte. Gemälde, entstanden durch ihre innere Freiheit und die Toleranz das Ergebnis zu akzeptieren.

Adrian Schiess – Fetzen, 1993

Jenseits der traditionellen Leinwandmalerei sucht der Schweizer Adrian Schiess seinen Weg in der Kunst.  Da wird Abdeckpappe mit Industrielack übergossen  und anschließend in Fetzen zerrissen. Mehr Freiheit gibt es wohl nicht. Auch die  großformatigen, spiegelnden Farbflächen auf Leichtbauplatten, die Mitte der 1980er Jahre entstehen, geben durch die Spritzpistole der Farbe ihren freien Lauf. Noch mehr, als er  professionelle Lackierer beauftragt und völlig auf seine künstlerische Handschrift, überlässt er das Werk in Gänze dem Zufall.

Adrian Schiess – Malerei und Helen Frankenthaler – the Beginning

Die Freude am Risiko verbindet auch Jenny Brosinski mit Helen Frankenthaler. Da ist es die ungrundierte Leinwand, die keine Fehler verzeiht und notwenige Korrekturen werden als Bildkomposition akzeptiert. Beide arbeiten parallel mit Papier und Leinwand, oftmals als Gegenpol zur flächigen Farbe.

Jenny Brosinski
Ina Gerken – The Quiet Wake
Helen Frankenthaler – Fallen Angel

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Februar zu sehen, sehr gut gemacht ist der Audioguide mit seinen Erklärungen und für tieferes Eintauchen in die Szene der  abstrakten Malerei sind die Podcasts eine gute Bereicherung. www.museum-re.de

Foto aus Katalog No.1

 

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