Einhörner sind omnipräsent, obwohl sie nur in der Phantasie existieren. Schon 2025 zeigt man sich in Museen für Mysterien offen, wie Basel mit seiner Geister- Ausstellung beweist. Nun aber präsentiert das Potsdamer Barberini gut 150 Objekte mit Einhörnern, denn zahllose namhafte Künstler können seiner Faszination nicht widerstehen.

Dieses Fabeltier steht für Reinheit und Unschuld. Meist ein Pferd mit üppiger Mähne und einem langen gedrechselten Horn auf der Stirn. Es ist der Zahn eines Narwals und dient dem Fisch zur Orientierung und Futtersuche. Immer grazil dargestellt, kann man seiner Ausstrahlung nur erliegen, dann allzu charmant fügt es sich in Legenden und Mysterien. Das ausgehende Mittelalter ist seine große Zeit, das zeigen gewaltige Szenerien auf Wandteppichen, aber das Einhorn überwindet mühelos alle Jahrhunderte.


Natürlich ist das Einhorn ein perfektes Medium für Fantasy – und Horror filme und wie geschaffen für surrealistische Ausflüge. Seien es die Bücher und Filme von Harry Potter oder „Black Moon“ von Louis Malle aus dem Jahr 1975, der seine Zuschauer merklich überforderte. Wesentlich verständlicher dagegen der Zeichentrickfilm „A Unicorn in the Garden“ von James Thurber (1953) oder Carol Reed’s „Voller Wunder ist das Leben“ aus dem Jahr 1955, damals für die Goldene Palme nominiert.

„La Lotta“, ein schwarzes, präpariertes Pferd, das auf seiner Stirn ein Horn trägt. In seinem Inneren befindet sich ein Heizelement, das den Körper konstant auf 43 Grad hält. Für den Betrachter ist es eine hochsinnliche Erfahrung, denn er spürt die Wärme und ist sehr versucht, das Fell zu streicheln.

Auch Rebecca Horn ist der Aura des Einhorns erlegen. 1970 entsteht ein Video, das eine Frau in einer Art Korsett zeigt, das mit breiten Gurten über den Körper be festigt ist, dazu ein langes Horn auf dem Kopf. In der Performance durchwandert sie über 12 Stunden lang eine Landschaft. Immer verschwommen zu sehen kommt ihre Gestalt über einen Waldweg, geht hinein in ein Feld mit hohem Getreide und verschwindet wieder am Horizont. Durch das Spiel mit Sonne und Schatten wird diese Erscheinung noch unwirklicher und zeigt das Interesse Rebecca Horns an mythologischen Figuren.


Heute sorgt ein „unicorn“ für das gr0ßes Interesse, denn es bezeichnet ein extrem erfolgreiches Startup, das ohne Börsennotierung mit einer Milliarde Dollar bewertet ist. Wie einst Zalando aus Berlin oder das Münchner Check 24. Auch hier dürfte das Rätselhafte des kaum fassbaren Aufstiegs im Vordergrund stehen.

Die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ ist noch bis zum 1. Februar im Museum Barberini in Potsdam zu sehen. Dazu gibt es einen ausführlichen Katalog und ein Audioguide führt durch die Ausstellung. www.museum-barberini.de