Wie magisch wird der Besucher von der aktuellen Ausstellungsarchitektur im Münchner Literaturhaus angezogen. Diese kalifornische Atmosphäre mit Palmen unter blauem Himmel, man glaubt den Pazifik rauschen zu hören.  Das dürfte auch Thomas Mann gefallen haben,  ein Liebhaber des Schönen und Eleganten. Doch sein Aufenthalt geschah in Pacific Palisades iim Dunstkreis von Los Angeles  eher unfreiwillig. Das Nazi-Regime vertrieb ihn 1938 aus seiner Heimatstadt München, dabei musste seine Tochter Erika viel Initiative entwickeln, um die Familie zum Exil zu bewegen.

Blick in die aktuelle Ausstellung

Für seine große Familie ließ Thomas Mann zu Beginn der 1940er Jahre ein modernes Haus bauen, das sehr an die gradlinige Bauhaus – Architektur erinnerte und den wahren Kontrast zu seiner großbürgerlichen Villa in der Münchner Poschingerstraße darstellte.  Das Anwesen wurde zu einem Treffpunkt zahlloser deutschjüdischer Intellektueller, von denen sich viele in der Nähe der Manns niedergelassen hatten, es entstand eine Art “Weimar am Pazifik”.  1952 wurde das Haus an eine Familie Lappen verkauft, die bis 2012 darin wohnte.

Thomas Mann 1946

Nach etlichen Jahren des Niedergangs konnte sich die Bundesrepublik Deutschland 2016 entschließen, das Anwesen zu erwerben und zu renovieren, drei Jahre später fand die Neueröffnung statt. Heute dient das  Thomas Mann House am 1550 San Remo Drive als Residenz und Ort der Diskussion.

die Familie Mann in Kalifornien.

Die Ausstellung im Literaturhaus München zeigt im ersten Teil den politischen Werdegang des Schriftstellers von einem Verehrer der Monarchie zu einem entschiedenen Gegner des Dritten Reiches. Die Fotografien, Texte, Auszüge aus den berühmten Radioansprachen des BBC 1941 »An die deutschen Hörer!  zeigen sein Engagement für die Demokratie. Doch der eigentliche Motor für diese 61 Appelle war Erika Mann, die schon längst einen Namen als politische Rednerin gemacht hatte.

Thomas, Katia und Erika Mann (nachträgliche Reproduktion) 1949

 

Der zweite, multimediale Teil gibt einen Einblick in die Gegenwart. Wie kann man seine demokratische Haltung verteidigen? Filme und Interviews, Tweets und Zitate von der Umweltaktivistin Greta Thunberg oder dem Schriftsteller Sasa Stanisic, den Präsidenten  Donald Trump oder Barack Obama, dem Pianisten Igor Levit oder dem Whistleblower Edward Snowdon zeigen die heutige Situation.

Auszug aus dem Katalog

1952 verließen Katia und Thomas Mann ihr Haus in Pacific Palisades, um fortan an Zürichsee zu leben. Wieder war es Erika Mann, die ihre Eltern zu diesem letzten Aufbruch drängte.

Familie im Garten ihres Hauses in Pacific Palisades  – Foto aus demKatalog

Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober im Literaturhaus München zu sehen.  www.literaturhaus-muenchen.de    Zur Ausstellung gibt es einen Katalog (15€).

Das Literaturhaus in München