Regietheater – was für ein wunderbares Thema für jeden Liebhaber von Theater.  Doch das Deutsche Theatermuseum hat wohl eine Chance  verpasst, sich in Szene zu setzen. Kein aktueller Name ist dabei, lediglich im Katalog gibt es einen Exkurs von Kritiker Bernd Sucher, der mit Ersan Mondtag, David Bösch und Kollegen auseinandersetzt. Nichts von Christoph Marthaler oder Amelie Niermeyer, Andrea Breth oder Frank Castorf.

Schautafel zu Max Reinhardt

Die Ära des expressiven Theaters beginnt mit Max Reinhardt, der seine pure Lust an der Schönheit und dem Spektakel in den Vordergrund rückte. Hinreißende Bühnenbilder und die Drehbühne, die Reinhardt erstmals 1905 einsetzte,  machten den Abend zu einem aufregenden Ereignis.

Modell zum Sommernachtstraum vom Shakespeare , Berlin 1905,

Natürlich waren nicht alle seine Kollegen von der Opulenz Reinhardts begeistert, da wurde wie heute viel gestritten und diskutiert. Als direkter Konkurrent entpuppte sich der wenig jüngere Leopold Jessner, der mit seinen Stufenbühnen wahre Tumulte unter den Zuschauern auslöste wie etwa bei der Inszenierung von Wilhelm Tell ohne Schweizer Alpenpanorama.

Legendärer Faust 1 mit Will Quadflieg als Faust und Gustaf Gründgens als Mephisto. Schauspielhaus Hamburg 1957

Auch Gustaf Gründgens wird bei dieser Ausstellung als ein Vertreter des Regietheaters gesehen, eigentlich mehr bekannt als einer, der sich sehr an das konventionelle Theater anlehnte. Aber ohne Frage Faust I mit Will Quadflieg und Gustaf Gründgens ist auch im 21. Jahrhundert noch ein umwerfendes Theatererlebnis.

Peter Zadek

Die 1960er Jahre waren die Ära der “jungen Wilden wie Claus Peymann, Peter Stein oder Peter Zadek. Für den gebürtigen Berliner war die Bühne ein Freiraum für Leidenschaft und Exzesse, all jene Gefühle, die im Alltag gewöhnlich keinen Platz haben. Ein Theaterabend konnte überwältigen oder in einem mächtigen Skandal enden.

Umwerfender Hamlet mit Angela Winkler, inszeniert von Peter Zadek in Wien 1999.

Im Dickicht der Städte von Bertold Brecht – Münchner Kammerspiele

Auch von Bertold Brecht als Regisseur hätte gerne etwas mehr erfahren.

Modell zu Faust I und II, Hannover 2000

Alleine die Aufführungen von Faust I und II zur Expo 2000 in Hannover ist ein Ausflug in das aktuelle Theatergeschehen. Ein wahres Monsterprojekt mit über 21 Stunden Aufführungszeit, denn kein Wort wurde aus dem Originaltext gestrichen.

Der Katalog zur Ausstellung

Sehr viel ausführliche Informationen zum Regietheater vergangener Tage findet man in dem Ausstellungkatalog, kuratiert von Claudia Blank. Preis 38€.

in der Ausstellung

Die Ausstellung ist bis zum 11. April 2021 zu sehen. www.deutschestheatermuseum.de