Die Ninth Street Show war eine Kunstausstellung, die vom 21.Mai  bis zum 10.Juni 1951  in einem abbruchreifen Gebäude in der New Yorker 9th Street stattfand. Dort wurde neue amerikanische Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt und war der Beginn der  New Yorker Avantgarde, später  New York School genannt. Unter den Teilnehmern war die abstrakten Expressionisten Willem de Kooning, Robert Motherwell, Hans Hofmann und Jackson Pollock. Zu jener Zeit schon mit Lee Krasner, trat seine Ehefrau als Künstlerin kaum in Erscheinung.

Study from the Nude, 1933

Lee Krasner verfolgte immer ihre eigenen Ideen. Vergebens sucht man Parallelen zu den damals führenden Künstler des abstrakten Expressionismus wie Barnett Newman, William de Kooning, Ad Reinhardt oder dem Überflieger Jackson Pollock, mit ihm war sie bis zu seinem Unfalltod 1956 verheiratet.

Selbstporträt um 1928, entstanden als Aufnahmearbeit für die Aktklasse der National Academy of Design in Manhattan.

Natürlich stand ihre Malerei im Schatten der Drippings ihres Ehemanns, doch ihre Collagen aus den Jahren 1953-55 zeugen doch von einem unbeirrbaren Drang nach künstlerischen Freiheit.

Lee Krasner, in Springs auf Long Island 1972.  Foto von Irving Penn.  Aus dem Katalog

Eine Zäsur zeigt das Gemälde Prophecy (1956), das Krasner zu Pollocks Lebzeiten begann und nach seinem plötzlichen Tod vollendete. Es ist eine Rückkehr zu einer figürlichen Bildsprache. In der Schirn sind Birth, Embrace und Three in Two aus dem Jahr 1956 zu sehen.

Three in Two, 1956. Es erinnert an die “Demoiselles d’Avignon” von Picasso.

Lee Krasner nutzte das ehemalige Atelier von Pollock und verwendete erstmals monumentale, nicht aufgezogene Leinwände, die sie direkt an der Wand befestigte. Großformatige Gemälde ihrer Umber-Serie entstanden, auch Night Journeys genannt und gehören zu Krasners expressivsten Werken.

Lee Krasner in Springs.  Foto von Ray Eames

Danach nutzte Krasner in ihrer Primary Series wieder starke Farben. Ihre gestischen Gemälde wurden freier und kalligrafischer, etwa in Another Storm (1963), Kufic (1965) oder Portrait in Green (1969).

Another Storm, 1963

Anfang der 1970erJahre begann Krasner eine Serie mit abstrakten Formen in kräftigen Farben. Die Schirn zeigt mit Palingenesis (1971) eines der Hauptwerke dieser Phase, das mit seiner  Farbfeldmalerei an Mark Rothko oder Barnett Newman erinnert, ist aber bei  Krasner schon in den  späten Collagen der 1950er-Jahren zu sehen.

Palingenesis, 1971 erscheint auch als Titel für den Katalog.

Sehr gelungen ist der Katalog, erschienen im Hirmer Verlag, München. Er gibt einen guten Einblick in das spannende Leben der Künstlerin mit den Fotos von Ray Eames, der die Künstlerin in ihren Haus in Springs auf Long Island viele Male besuchte. Sehr gefallen auch die unterschiedlichen Papierqualitäten für die Gemälde und die Texte. www.hirmerverlag.de