Man wagt es kaum zu sagen, ich war im König Lear in den Münchner Kammerspielen und es war ein kurzweiliges Vergnügen. Eigentlich ein erdschweres Stück von William Shakespeare, das in die Untiefen der menschlichen Seele führt, aber die Überarbeitung von Thomas Melle hat den König Lear in die Jetztzeit gezerrt, es wird gepostet und gierig die “likes” registriert.

Programmheft – Thomas Schmauser als König Lear

Es ist beste Wiesn-Zeit, doch die Kammerspiele waren am letzten Mittwoch ausverkauft.  Rotzfrech, egomanisch, grausam und verlogen. Die Inszenierung von Stefan Pucher haben beim Münchner Publikum schon manchen Lacher provoziert.  Der Beginn mit dem Gesicht von Thomas Schmauser riesengroß auf einer Videoleinwand, dieser König Lear trägt eine schräge Sonnenbrille und steckt  in einem Anzug von Blumenmustern, lassen auf eine ungewöhnliche Inszenierung hoffen. Ein rasanter Anfang, der leider gegen Ende, nach zwei Stunden, doch etwas zerfranst.

Thomas Schmauser, Julia Windischbauer, Gor Swantje Kohlhof, Samouil Stoyanov. Foto Arno Declair

Aber viele großartige Ideen wie das Spielen auf einer Videoleinwand, die hinreißenden Kostüme von Annabelle Witt, seien es die Pailletten – Shorts von Regan oder der pinkfarbene Hosenanzug der Gräfin von Gloucester, das glitzernde Kettenhemd von Thomas Hauser, haben den Stück den Zeitgeist übergestülpt.

Programmheft – Christian Löber als Edgar

Es ist der Kampf eines Vaters gegen seine Töchter, die rotzige Art der beiden “Lieblinge” Reagan und Goneril, die kaltschnäuzig ihren gönnerhaften Vater zugrunde richten, gestalten diesen Theaterabend als eine Bereicherung. Es gab viele “Vorhänge”, was in München eher ungewöhnlich ist. Die nächsten Vorstellungen am 12. /14. und 20. Oktober um 19.30 Uhr  www.muenchner-kammerspiele.de 

die Spielzeit 19/20