Das Jahr 2024 gehört auch dem Schriftsteller Kafka, der mit dem Begriff “kafkaesk” den Alltag erobert hat. Dunkle Gedanken, Ängste, Verzweiflung und Ausgeliefertsein waren seine Themen, die nie an Aktualität verloren haben.

die Comics an den Wänden machen die Ausstellung unterhaltsam und leichter verständlich

Das Spannende an der Ausstellung Kafka in der Villa Stuck, dass die Bilder und Installationen die Romane und   Erzählungen in ihrer Essenz unterstützen.

Jeff Wall – Oradek, Taboritskà 8, 1994

Der Kanadier Jeff Wall nimmt die 1920 publizierte Kurzgeschichte “Die Sorge des Hausvaters” als Sujet, dabei wird  das Faktotum Oradek in ein Prager Treppenhaus verordnet.

Janett Cardiff & George Burres Miller   The Killing Machine  2007.  Lichttechnik, 5 min

Schon im nächsten Raum geht es ans Eingemachte, an die tiefen Ängste, die Grauen vor Folter und den ungeheuren Schmerzen.

Harald Szeemann – Foltermaschine aus der Erzählung” in der Strafkolonie”

Franz Kafka fühlte sich nie gesund, litt an Verdauungsproblemen und Hautausschlägen, empfand sogar das Schreiben als eine Qual.

Mona Hatoum – Deep throat 

Die endoskopische Reise durch den Magen -Darmtrakt von Mona Hatoum gibt einen perfekten Eindruck von unserem Inneren. Teresa Hubbard + Alexander Birchler – Gregor’s Room. Das nachgebaute Zimmer von Gregor Samsa.

Natürlich darf  ” Die Verwandlung” nicht fehlen, eine der bekanntesten Kurzgeschichten, die heuer auf etlichen Bühnen zu sehen ist wie am Burgtheater Wien.

Thomas Schütte – Basement III.

Ebenso gehören “Der Bau” und  “Das Schloss” zu den Dauerbrennern auf Theaterbrettern, letzteres zu sehen  im Residenztheater München. Der Landvermesser K. wird nur geduldet und muss sich einer fremden Macht unterwerfen.

Konrad Klapheck – die Stimme des Gewissens. Hier als Kabelsalat dargestellt.

Die Willkür von Bürokratie und Ämtern konnte Kafka selbst erfahren, denn er arbeitete bei einer Versicherungsagentur in Prag. Kannte Rechtfertigung und Erklärung des Einzelnen gegenüber einer Behörde.

David Claerbout – Shadow Piece, 2005. Eine Sackgasse, denn die Türen sind verschlossen.

Auch das Finale der Ausstellung ist gelungen. Ein Video von Rodney Graham, der als Sträfling gekleidet und mit Handschellen gefesselt, Klavier spielen muss. Selbst unter strengen Bewachung eines Polizisten gibt es kein Pardon.

Rodney Graham – A Reverie interrupted by the Police. 2003.  Sammlung Goetz

Die Ausstellung Kafka 1924 ist noch bis zum  11. Februar zu sehen. Dann wird die Villa Stuck für ein Jahr geschlossen, um die Infrastruktur zu erneuern. Der Katalog ist noch nicht erschienen.  Die zauberhaften Comics zu Kafka sind im Buchhandel erhältlich. www.villastuck.de 

könnte auch ein Gefängnis sein – Frühlingslicht fällt in die Villa Stuck