Der erste Blick fällt in den eindrucksvollen Lichthof des Gropius Bau, oftmals ein Ausrufezeichen der aktuellen Ausstellung. Diesmal schaut der Besucher auf unzählige Platten von Styropor, die wild aufeinander geschichtet und ein Eismeer darstellen sollen. Mit Glück sieht man Robbenbabies in Kunstfell.

Fin de Siècle – Lichthof des Gropius Bau

Die Ausstellung ist ein Aufschrei zum Thema AIDS, seien es die gepflasterten Wände mit dem Logo AIDS, geliehen von Robert Indiana’s LOVE. Dazu gehört auch die Kritik, dass tot geschlagene Robbenkinder mit der Intervention von Brigitte Bardot ein größeres Medienecho fanden als die tödliche Krankheit.

AIDS – Logo.  Robert Indianas LOVE, 1970 lässt sich nicht verleugnen.

So manches Exponat ist gut 50 Jahre alt und die Omnipräsenz des Themas AIDS ist durch den Tod zweier Mitglieder von General Idea zu verstehen. Felix Parts und Jorge Mental überlebten die Infektion nicht und 1994 war die Ära der Künstlergruppe vorbei.

Untitled 1998 – vier Stühle von Bertoia mit Kissen von Polyurethan und Polyester vor AIDS als Tapete.

1969 wurde die Gruppe in Toronto gegründet und General Idea nutzte oftmals Humor und Satire, um auf Konsumkultur, soziale Ungleichheit oder queere Identität aufmerksam zu machen.

Infe©ted Mondrian, 1994.  Bild aus dem Katalog.

Das Trio beschäftigte sich in den 1990er Jahren mit visuellen Positionen von Marken wie Corporate Identity und zeigte die enge Verbindung von Kommerz, Medien und Kunst. Auch Aids bekam in manchen Arbeiten eine spielerische Note.

Study for Fontana, 1993

so besteht die Serie Infe©ted aus Nachbildungen aus einem Katalog von Piet Mondrian auf Schaumstoffplatten gemalt.

Mondo Cane Kama Sutra, 1984

AA Bronson alias Michael Tims, das einzig noch lebende Mitglied, lebt seit Jahren  in Berlin und unterstützte die Ausstellung im Gropius Bau mit  Videos, Zeichnungen und Skulpturen. Eine enge Beziehung zu Berlin gab es schon lange, denn schon 1973 hatte General Idea die erste internationale Ausstellung in der Galerie DAAD Galerie.

P is for poodle, 1983-89

Hier ist der Spass an Albernheit nicht zu übersehen, das Trio inszeniert sich auch als Ärzte oder Babies. Für General Idea ist allerdings der Pudel ein queres Symbol.

Fin de Siècle, 1994  chromogenic print. aus dem Katalog

Sehr gelungen und aufwendig gemacht ist der Katalog. Kein Wunder, war doch AA Bronson lange Zeit der Direktor von Printer Matter, einer Künstler – Buchdruckerei in New York.

Die Ausstellung ist bis zum 14.Januar im Martin – Gropius Bau Berlin zu sehen.  Der Katalog kostet 60 € www.berlinerfestspiele.de

Aus der Küche von Beba.

Auf keinen Fall sollte man auf einen Besuch des Restaurants Beba im Haus verzichten. Herrliche jüdische Küche, im Sommer unter Kastanien. www.beba-berlin.com