Franz Erhard Walther ist eine Schlüsselfigur der konzeptuellen Abkehr vom Bild und Wegbereiter eines offenen Werkbegriffs. Oftmals wird das Publikum zum Akteur und mit  Verwendung von Ort, Zeit, Raum, Körper oder Sprache zielte er auf eine radikale Erweiterung bildkünstlerischer Mittel. Das Haus der Kunst widmet seinem visionären Schaffen nun eine große Retrospektive mit 250 Arbeiten.

Wortbilder

Durch das Studium an der Werkkunstschule Offenbach beschäftigte sich Walther mit der Typographie, begann das geschriebene Wort in Größe und Farbe zu variieren. Es ist ein Schlüsselwerk des Künstlers, denn von nun an sind seine Arbeiten auf die Bereitschaft des Betrachters angewiesen.

Handlungsbahnen 1997

Im ersten Hauptsaal liegen Bodenbahnen in zwanzig Farben, die schon ein überdimensionales Bild entstehen lassen. Doch für Walther ist es mehr die Interaktion mit dem Betrachter. Normalerweise könnten diese Objekte aktiviert werden, das erinnert an Performance – Kunst, aber für der Künstler sind die Akteure ihr eigenes Publikum. Aber die Aktivierung kann auch in Gedanken entwickelt werden,  Wegen der Corona – Pandemie ist keinerlei Aktionen möglich, so werden Interaktionen von Mitarbeitern des Hauses der Kunst vorgeführt.

Vorbereitung zur Werkaktivierung – Körpergewichte 1968

Werkaktivierung Körpergewichte 1968

 

aus dem Katalog

Das neue Alphabet

Zu Beginn der 1990er Jahre wiederholt sich das Medium Sprache und erscheint diesmal in Stoffbahnen und dreidimensionaler Form. In diesem Raum hängen 26 Stoffskulpturen, von denen manche leicht als Buchstaben erkennbar sind.

der Buchstabe C

Kompliziert ist allerdings das C, aus 15 Einzelteilen, das sich nur nach den Studium der erläuternden Zeichnung zusammensetzen lässt. Der ganze Raum besticht durch seine leuchtenden Farben.

die gelbe Skulptur

Als Wandformation betitelt, besteht diese Arbeit aus Malerei, Skulptur und Architektur. Gemacht aus Elementen, die angezogen werden können. “Das Bild sollte eine andere Bedeutung bekommen”, sagt Franz Erhard Walther.

Raumabnahme  blau – sein Atelier in Hamburg

Die Stoffbahnen haben die Abmessungen seines Ateliers in Hamburg, seit 1971 hatte der Künstler eine Professur an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. Es sind Fenster und Mauervorsprünge zu sehen, die Säulen und die Decke liegen zusammengefaltet auf dem Boden. Nun ist der Betrachter gefordert, den Raum zurück zu entwickeln.

Gelb und Blau – das sind die Farben von Franz Erhard Walther

Die Ausstellung “Shifting Perspektives” ist bis zum 29. November im Haus der Kunst zu sehen. www.hausderkunst.de

Mantel – Stahlstück 1969

Die Werksaktivierungen finden jeden Donnerstag von 14-19 Uhr statt, Sa und So von 11-17 Uhr.