70 Fotografien aus den letzten zwanzig Jahren zeigen ein künstlerische Schaffen, das im Westen wenig bekannt ist. Die Ausstellung “About us” in der Alexander Tutsek – Stiftung überrascht in ihrer Vielfalt und oftmals sehr direkten Bildsprache.

Ren Hang

Ren Hang wurde 1987 in Changchun, Provinz Jilin geboren und starb 2017 in Peking, In seinem kurzen Leben hatte der  außergewöhnliche Fotograf schon Einzelausstellungen in New York, Los Angeles,Tokyo, Amsterdam oder Leipzig. Er studierte  Werbung an der Communication University of China in Peking, fand aber in der Fotografie mit einer kleinen Minolta seine Bestimmung.  Wie ein Filmregisseur komponierte Ren Hang meist nackte Körper, einzeln, zu mehreren nebeneinander arrangiert oder übereinander gestapelt in merkwürdigen Posen und verrückten Konfigurationen, manchmal unter freiem Himmel. Er dekoriert sie mit Blumen, Federn und Tieren.

ein  Video – Guide als perfekter  Ausstellungsführer

Die Nähe seiner Arbeiten von Nan Goldin, Jürgen Teller oder Araki Nobuyoshi ist unverkennbar, aber Ren Hang fühlte sich Shuij Terayama verbunden, einem japanischen Regisseur für Avantgarde Kino.

Zhang Xiao – Mother and Neighbours 2015

Zhang Xiao lebt in Chengdu und  seine Fotografien sind oftmals zerstückelte Polaroids, die dann manuell zu Collagen zusammengebaut werden.  Es entstehen “verblasste” malerische Bilder wie Apple Truck (2014) oder Mother and Neighbours (2015), die von seiner Heimatstadt Yantai erzählen. Es war der Schock seiner jährlichen Heimkehr–in eine Gegend des Apfelanbaus: “Die Umgebung meines Dorfes hat sich über die letzten Jahre rapide verändert. Neue Häuser, Betriebe und Chemiefabriken sind entstanden, dabei werden Wasser und Luft immer schlechter.

RongRong und seine Frau, die japanische Fotografin Inri – Beijing East Village

Seit 2000 arbeiten die beiden zusammen und verkörpern die zeitgenössische Fotografie in China. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen wie das MOMA, Getty Museum in Los Angeles, der Schweizer Sigg Collection oder LVMH Foundation bei Paris. Die Fotos in der Alexander Tutsek- Stiftung zeigen sie in den Resten eines Künstlerdorfes im Osten von Peking, das 1993 abgerissen wurde.

Yang Fudong – National Hotel No.11

Yang Fudong wurde in Peking geboren und lebt in Shanghai. Er gilt als bedeutender Vertreter in der zeitgenössischen Kunst-  und Filmszene Chinas. Seine Arbeiten waren auf der documenta 11, die 2002 von Okwui Enwezor kuratiert wurde und bei der 52. Biennale von Venedig (2007).  Schon während des Studiums der Malerei an der China Academy of Art in Hangzhou konzentrierte sich Yang Fudong auf Film und Fotografie, sieht in den Filmemachern Fellini und Antonioni seine Vorbilder. Die Arbeiten der Alexander Tutsek-Stiftung stammen aus der siebenteiligen Serie International Hotel (2010), die am Swimmingpool des International Hotels in Shanghai fotografiert wurde und eine klassische Schwarz-Weiß-Ästhetik zeigt.

Cai Dongdong – The two Doors 2018

Geboren 1978 begann Cai Dongdong als Fotograf in der Armee und öffnete danach sein eigenes Studio in Peking. The two doors besteht aus einer Sammlung von 1560 Passbildern, die auf zwei “Türen” verteilt sind und auf die Jahre 1910-1950 und 1950 -1980 verteilt sind.

Cai Dongdong – Mountain Cutters 2017

Adou, Choosing the Sun, Gansu – Adou series, 2009, Sammlung Alexander Tutsek-Stiftung  © Adou, Foto N. Steglich

Adou wurde 1973 in der Provinz Sichuan geboren und lebt heute in Chengdu. Er begeistert mit seinen Schwarz-Weiß Fotografien, die oftmals die Landschaften und das Hinterland von China zeigen. 2013 hatte seine erste Einzelausstellung in Shanghai.

in der Alexander – Tutesk – Stiftung

Chen Ronghui, Freezing Land 30, 2016-18

Die Ausstellung “About us” ist bis zum 29. Januar 2021 in der Alexander Tutsek- Stiftung zu sehen. www.atutsek-stiftung.de