Unheimlich schön sind die Fotos von Erwin Olaf, die aktuell in der Münchner Kunsthalle zu sehen sind. Schön in einer provozierenden Art aber auch in bedrückenden Weise. Gleich zu Beginn wird man von einer  überbordenden Homosexualität empfangen, die stark an Robert Mapplethorpe erinnert und eher Gleichgültigkeit hervorrufen kann.

im Foyer der Kunsthalle München

Aber es warten Überraschungen, werden die Arbeiten mit den Jahren intellektueller und hintergründiger. Da kann der Abschluss begeistern, wo Bilder in der Natur mit Sujets aus dem 19. Jahrhundert arrangiert sind.

Im Wald 2020

Immer sind seine Arbeiten auf perfekte Weise inszeniert, seine ersten Erfahrungen mit der Kamera hat der holländische Fotograf Erwin Olaf in der Werbung gemacht.

“Wollte ich die gewöhnliche Welt sehen, würde ich ein Fenster öffnen”, heißt sein Motto und so ist keines der Bilder irgendeinem Zufall überlassen. In seiner Energie selbst kleinste Details zu arrangieren, könnte man an Cindy Sherman denken und in der Platzierung der Personen drängen sich die Bilder von Edward Hopper auf.

Shanghai

Ein wahrer Augenfänger ist die Serie “Royal Blood”, wo Modelle als Prinzessin Diana, Kaiserin Sisi oder Präsidentengattin Jaqueline Kennedy elegant in Szene gesetzt werden. Dabei geht dem Fotografen nicht nur um die Schönheit, sondern das große Interesse an Berühmheiten, besonders wenn sie ein tragisches Schicksal ereilt.

Royal Blood

Eine Stunde dauert das Video wo eine Frau in einem Restaurant wartet und sich nur mit einer Tasse Tee beschäftigt. Dabei ist auch die Choreografie der Bewegung ihrer Hände, des Kopfes und der Augen von Erwin Olaf vorgegeben.

Video  gedreht im Studio von Erwin Olaf

Für seine Trilogie Berlin, Shanghai und Palm Springs verlässt Erwin Olaf zum ersten Mal sein Studio und inszeniert seine Vorstellungen vor Ort. 2012 wählt er für Berlin das bekannte Clärchens Ballhaus, das schon seit 1913 ein legendäres Tanzlokal gewesen ist.

Berlin, Clärchens Ballhaus Mitte 2012

Die Ausstellung ist bis zum 26. September zu sehen, es gibt einen Katalog aus dem Hatje Canz Verlag und zahlreiche Führungen. www.kunsthalle-muc.de

im 1. Stock der Kunsthalle