Es ist ein wahrer Marathon, denn die 240, oftmals stillen Arbeiten der indischen Fotokünstlerin Gauri Gills fordern Ausdauer und Aufmerksamkeit. Die Sujets sind sehr unterschiedlich, aber sie alle zeigen die Lebensumstände von Minoritäten abseits der urbanen Zentren Indiens.

Gauri Gill in ihrer Ausstellung © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2022, Foto: Esra Klein

1970 geboren, bereiste Gauri Gill seit 1999 die ländlichen Gegenden im Westen von Rajasthan. Die Frankfurter Ausstellung beginnt mit “Fields of Sight” und zeigt die  Zusammenarbeit mit dem indigenen Warli  Rajesh Vangad. Im Jahr 2013  fotografierte Gauri Gill sein Heimatdorf in Maharashtra und Vangad schaffte mit seiner Malerei eine zusätzliche Ebene. Nun sieht man die Bedrohung der Lebensgrundlage dieser Menschen durch Umweltverschmutzung und Einzug sozialer Konflikte.

Gauri Gill und Rajesh Vangad, ‘Jameen’, 2021, © Gauri Gill und Rajesh Vangad

Ganz in Farbe entstand der Werkzyklus “The Americans”, dabei reiste Gauri Gill durch die USA auf der Suche nach der indischen Diaspora. Sie besuchte Freunde und Verwandte und es entstand ein eher vertrautes Bild.  Szenen in Restaurants, in Wohnzimmern, zum Halloween. Oftmals umgeben von ihren Besitztümern, zeigen die Fotos, dass die Menschen in dem chicen Amerika angekommen sind.

‘Software engineer Alok Pareek; business owner, Sumati Patel-Pareek. Silicon Valley, California 2001’, aus der Serie ‘The Americans’, 2000-2007, © Gauri Gill

Wahre Eyecatcher sind die  “Acts of Appearance”, eine Kooperation der Fotografin mit den Pappmaché-Künstlern der Adivasi- Gemeinschaften der Warli und Kokna. Diese Masken aus Pappmaché dienen eigentlich rituelle Anlässen, für diese Serie wurden Alltagshandlungen nachgestellt.

‘Untitled (5)’, aus der Serie ‘Acts of Appearance’, seit 2015, , © Gauri Gill

‘Untitled (9)’, aus der Serie ‘Acts of Appearance’, seit 2015. © Gauri Gill

Eher betroffen macht der  5-teilige Zyklus Jannat. Er ist einem muslimischen Mädchen namens Jannat gewidmet, die in einem entlegenen Dorf mit ihrer Mutter und Schwester lebte. Es zeigt das Leben einer Familie, die vom Vater verlassen wurde und besonders der patriarchalen Machtstruktur ausgesetzt ist. 2007 ist das Mädchen im Alter von 23 Jahren verstorben.

‘Jannat, Barmer’, aus der Serie ‘Notes from the Desert’, © Gauri Gill

Die Ausstellung ist bis zum 7.Januar in der Frankfurter Schirn zu sehen. www.schirn.de 

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog “Acts of Resistance and Repair”, herausgegeben von der Kuratorin Esther Schlicht. Erschienen im Kehrer Verlag.