Spannende Einblicke in den Dialog von Malerei und Fotografie in den 1920er Jahren bietet die aktuelle Ausstellung im Münchner Stadtmuseum.  Mit dem verlorenen Ersten Weltkrieg waren die “alten Werte” dahin, viele Menschen forderten gesellschaftliche Veränderungen, die sich notabene auch in der Kunst zeigten. Als eine der führenden Kunstrichtungen etablierte sich die “Neue Sachlichkeit”,  die 1925  zum ersten Mal in der Mannheimer Kunsthalle gezeigt wurde. Ein distanzierter Blick auf Menschen und Landschaften als starker Kontrast zum Expressionismus mit seinen kräftigen Farben.

Walter Schulz-Matan – Bildnis des Dichters Oskar Maria Graf   (Foto im Katalog)

Die Malerei zeigte nun oftmals überspitzt die Realität des Alltags, weltbekannt wurden die grotesken Sujets von Otto Dix, der sich mit den Themen Korruption, Zuhälterei und Armut die Schattenseiten der “roaring twenties” darstellte.

Hainz Hamisch, Lea Grundig und Otto Griebel – Der Schiffsheizer 1920

Auch die Fotografie wechselte zu neuen Ideen, mit der besseren Kameratechnik konnte sich die Phantasie frei entfalten, es entstanden in jenen Jahren zahlreiche Ikonen, die heute Höchstpreise auf Auktionen erzielen.

Herbert Bayer Einsamer Großstädter, 1932 (Foto Katalog)

In jenen Jahren rückte die Fotografie als Mittel der Kunst immer mehr in den Mittelpunkt, eignete sich doch perfekt für die verspielten Gedankenwelten des Surrealismus oder gaben der Werbung für Produkte einen hohen künstlerischen Aspekt.

Heinz Gorny – Leibniz-Keks 1930

Die zwanziger Jahre waren auch die Chance für Frauen zu mehr Freiheit und Selbstständigkeit. Bubikopf und Zigarettenspitze, und viele von ihnen konnten sich als anerkannte Künstlerinnen etablieren. Wie Germaine Krull, Aenne Biermann oder Hannah Höch.

Katalog – Germaine Krull und Umbo – Selbstportraits

Auch die Architektur der Industrie schaffte es vor die Kameralinse,  dabei verblüffte die Geometrie ihrer Linienführung mit ihren weiten Perspektiven.

Technikkult:  Max Radler – die große Lokomotive 1934,  und Aenne Biermann – Eisenbahnschienen 1931    (Fotos aus dem Katalog)

Die  Ausstellung wird bis 2. Mai zu sehen sein. www.muenchner-stadtmuseum.de 

Katalog voM Hirmer Verlag

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher und gut gemachter Katalog aus dem Hirmer Verlag erschienen. www.hirmerverlag.de 

Karl Hubbuch – die Drillinge,1928