Mannheim kann sich glücklich schätzen, denn die Kunsthalle, eröffnet 2018, macht die Stadt spannender. Dieser architektonische Hingucker ist auch der Grund, dass der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe eine großzügige Leihgabe von Werken Anselm Kiefers gewährte. Der Maler und Bildhauer gilt als einer der herausragenden Künstler der Gegenwart, seine Arbeiten verlangen die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters und solide Kenntnisse von Geschichte, griechischer Mythologie und jüdischer Mystik.

Ein Gedicht von Ingeborg Bachmann beschreibt ein Sonnenschiff  und in der Hommage von Anselm Kiefers ist daraus ein großer Flugzeugkörper aus Blei entstanden, sicherlich eine Reverenz an den Zweiten Weltkrieg, denn der Künstler wurde 1945 geboren. Als Fracht trägt er getrocknete Sonnenblumen, ein Synonym für den Kreislauf von Anfang und Ende.

die große Fracht

Mutatuli, 1991

Auch Mutatuli verlangt eine intensive Betrachtung, denn was von weitem wie trockenes Getreide aussieht, entpuppt sich dann als vertrocknete Tulpen. Für den Künstler ein Hinweis auf das oftmals grausame Wirken der Ostindien-Kompanie mit ihrer gnadenlosen Ausbeutung von Land und Leuten. Tulpen waren die ersten Objekte von Spekulation in den Niederlanden mit deren Niedergang zahllose Menschen verarmten.

Ein großes Thema bei Anselm Kiefer ist die Werkserie Frauen der Antike. Immer fehlen die Köpfe, ein Sinnbild, dass Frauen ohne die dazugehörigen Männer ihrer Gesichter und Individualität beraubt sind. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, da hilft auch keine Frauenquote.

Frauen der Antike

Überwältigend von seinen Ausmaßen ist “Palmsonntag – eine riesige Palme, eingerahmt von Sujets von Palmwedeln und Sonnenblumen, die in Rahmen angebracht sind.

aus dem Katalogheft – Palmsonntag

Das Bild erinnert sofort an den Turmbau von Babel und gerne arbeitet Kiefer mit der Entstehung der Menschheit in Mesopotamien, die Landschaften zwischen Euphrat und Tigris im heutigen Irak und Syrien.

Der fruchtbare Halbmond, 2010

die Kunsthalle Mannheim

Der Wasserturm in Mannheim

Nur einen Katzensprung von der Kunsthalle entfernt, liegt das Wahrzeichen Mannheims. Der Wasserturm am heutigen Friedrichsplatz diente der Trinkwasserversorgung.

Die Ausstellung Anselm Kiefer ist noch bis zum 22. August zu sehen. www.kuma.art

 

 

 

 

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